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DIG Münster

Sizilianischer Barock - Formenreichtum als Lebensprinzip

Vereinigung Deutsch-Italienischer Kulturgesellschaften_Sizilien

26.

Nov
2021

16:00 Uhr

Veranstaltungsort:

Westfälische Wilhelms-Universität
Bispinghof 2, Raum BB2
Münster

Sizilianischer Barock - Formenreichtum als Lebensprinzip

von Dr. Andreas Post, Münster

Sizilien ist nicht nur das Land, wo die Zitronen und die Orangen blühen, sondern als zentrale Weltinsel im Mittelmeer auch Schauplatz vieler rivalisierender und sich gegenseitig befruchtender Kulturen seit dem Altertum gewesen. Die sizilianische Kultur hat so im Laufe der Jahrhunderte eine besondere Ausformung erhalten, die innerhalb Italiens einmalig ist.

Eine herausragende Epoche war die Herrschaft der spanischen und neapolitanischen Bourbonen, die vom Beginn der Neuzeit im 16. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts reichte. Diese Zeit des höfischen Absolutismus, die wir Barock nennen, war geprägt von der Durchsetzung der katholischen Reform nach dem Trienter Konzil und der damit einhergehenden Neuausrichtung der Architektursprache und der ganzen Lebenskultur. Der schwere Ätna-Ausbruch von 1669 und das verheerende Erdbeben von 1693 waren die epochalen Naturkatastrophen dieses Barockzeitalters und Anlass, vor allem im Osten und Südosten der Insel dieser neuen Bauweise und mit ihr alle künstlerische Ausdrucksform und Weltanschauung zum Durchbruch zu verhelfen.

Das Außergewöhnliche jeder Sizilienreise sind dabei die überreichen wie verspielten, grotesken wie überschwenglichen und phantastischen wie kunstvollen Baudekore und Ornamente. Ihre starke und bisweilen grelle Ausdrucksform ist Spiegel der prallen Lebensfreude ihrer Schöpfer und aller Menschen auf Sizilien, die ihren Ursprung weit vor dem Barockzeitalter in der antiken Geschichte hat, als die Insel zum großgriechischen Kulturraum gehörte.

Der Vortrag mit Fotos von 2015 bis 2017 will darum die lange Traditionswirkung von bestimmten Formprinzipien und Schmuckweisen aufzeigen und erklären helfen. Nicht zu unterschätzen sind dabei die Mechanismen der Sozialstrukturen und die Faktoren ihres Einflusses auf die Entscheidungsträger einer neuen Baukultur, Adel und Kirche, die viele Hafenstädte und besonders den Ostteil Siziliens gründlich neuformten. Schließlich gilt unser Augenmerk der Künste der Alltagskultur, die diesen sinnenfreudigen Schmuckreichtum zum Lebensprinzip erhob, wie wir etwa in Viscontis Verfilmung des Romans „Il gattopardo“ von Lampedusa sehen und die ihm in der kulinarischen Delikatesse und den Verzierungen der Dolci (Süßwaren) zum Höhepunkt verhalf.

Mehr Informationen und Anmeldung
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