„In fernem Land, unnahbar in euren Schritten“. Der Exotismus in der Musik oder: Wie ein Italiener sich die Musik von Ägypten und Japan vorstellt

Im 19. Jahrhundert nach Fernost reisen, das konnten nur wenige. Die Europäer hatten eher vage Vorstellungen von Japan oder Indien, ber der Drang, das eigene Gesichtsfeld auszuweiten, war groß. Ein paar Abenteurer brachen um 1850 auf, um ferne Länder zu erkunden. Was sie dort erlebten, schrieben sie auf, und über solch reich ausgeschmückte Erlebnisromane voller exotischem Flair kam das Ferne nach Paris, Mailand, London und Berlin.

Und es kam auf die Schreibtische der Komponisten, die selbst nie im indischen Dschungel waren oder vor einem chinesischen Buddha gestanden haben. Mit einer Mischung aus authentischer indischer oder chinesischer Musik, die man sich per Notenmaterial beschaffen konnte und ganz viel Imagination machten sich Komponisten wie Verdi, Meyerbeer und Puccini daran, das Ferne zu „erfinden“. Werke wie die Aida, Lakmé, Turandot oder Madame Butterfly machen eine andere, fremde Welt hörbar. Mit welchen Mitteln den Komponisten dies gelang, das ist Thema von Sabine Sonntags Vortrag. Wenn Aida am Nil ihren Geliebten erwartet oder Madame Butterfly erscheint, dann klingt es uns „fremd vorm Ohr“. Warum, das wird zu untersuchen sein. Der Exotismus ist eine interessante Gattung der Kulturgeschichte und damit auch der Musikwissenschaft. Wie immer bei Sabine Sonntags Vorträgen gibt es zahlreiche Musik- und Videobeispiele.

Der italienische Mozart

Das Publikum in Wien und Prag, für das Mozart seine Opern „Die Hochzeit des Figaro", "Don Giovanni" und "Così
fan tutte“ schrieb, liebte die italienische Oper mehr als die deutsche – oder auch die französische. Das bekamen nach Mozart noch Komponisten wie Schubert, Beethoven und Weber zu spüren. Als Mozart den Auftrag für die "Entführung aus dem Serail" erhielt, entbrannte Streit unter den Beratern des Kaisers, in welcher Sprache denn diese neue Oper
sein sollte. Obwohl Mozart die Oper auf Deutsch schrieb, enthält sie doch besonders in den Arien der Konstanze viel Italienisches. Wie geht das zusammen? Kann man in deutscher Sprache italienischen Stil singen? Wie kam es zu einer Renaissance von Mozarts italienischen Opern seiner frühen Salzburger Zeit? Solche Fragen stellt der Vortrag und beantwortet sie mit vielen Musik- und Filmbeispielen.

Dr. Sabine Sonntag ist Opernregisseurin, Dramaturgin und Autorin und lehrt an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover Operndramaturgie und Historische Musikwissenschaft. Mit ihren lebendigen und kenntnisreichen Vorträgen hat sie die Lübecker DIG schon mehrfach begeistert.

In Zusammenarbeit mit der Gemeinnützigen.

Napoli - Zwischen Feuer und Wasser

Ruprecht Günther zeigt eine musikalische Lesung mit Foto-Show. Vieles an der faszinierenden Stadt am Vesuv erinnert den Münchner an seine Wahlheimat in Salvador da Bahia: Das Leben der Menschen findet vornehmlich auf der Straße statt. Es gibt verwinkelte Viertel, die an steilen Hügeln kleben, merkwürdig zusammengeflickte Fassaden, überall herrscht Lärm,

Chaos und ausuferndes Leben. Das faszinierendste ist aber wohl die Ambivalenz zwischen Wasser und Feuer. Auf der einen Seite ist das Meer, auf der anderen der Vulkan - eine latente, unterschwellige Bedrohung. Doch er ist auch ein Kraftspender. Es scheint fast, als habe sich sein Feuer in die Herzen und Seelen der Menschen eingebrannt und explodiere in ihrer überbordenden Lebenslust. Der Autor begleitet seine Lesung mit traditionellen neapolitanischen Liedern auf der Gitarre und zeigt seine Fotos aus dem gleichnamigen Buch, das im Herbst 2018 erschien.

Ruprecht Günther kennt die Stadt am Vesuv seit über vierzig Jahren. Der Münchner und Wahlbrasilianer lebt seit 2002 in Salvador da Bahia. Seitdem widmet er sich dem Schreiben, Fotografieren und seiner – oft brasilianisch inspirierten – Musik. Mit dem Motorrad durchstreift er die Favelas und dokumentiert das Leben der Menschen mit der Kamera. Im Laufe der Jahre entstanden etliche Kurzgeschichten, Fotobücher sowie einige Romane.

ruprechtguenther.de

Der Arzt in der Oper

Auf der Bühne ist der „Halbgott in Weiß“ meist eine Witzfigur. Wie seine Fernsehkollegen wirft er mit unverständlichen Fachausdrücken um sich. Arzt-Deutsch sollte besser Arzt-Italienisch heißen, denn die meisten Medizinquacksalber gibt es in der italienischen Oper, die von Haus aus ein höheres Tempo vorlegt als die deutsche, wo Krankheiten und Medikamente also noch rasanter von den Arztlippen perlen. Wenn Doktor Bartolo in „Rossinis Barbier“ (er kann auch Notar!) und Doktor Dulcamara in Donizettis „Liebestrank“ Sprechstunde haben, dann überschlagen sich die Noten förmlich. Französische Opernärzte sind eher skurril, wie man in „Hoffmanns Erzählungen“ sehen kann: „Einen Arzt, einen Arzt“ – „Bin schon da!“, und Doktor Mirakel tut seine Wunder. In der deutschen Oper „Doktor und Apotheker“ prahlen die beiden Fachrichtungen um die Wette, Beschimpfungen wie „Scharlatan“ und „Ignorant“ sind an der Tagesordnung. Nur selten sind die Ärzte böse wie in Bergs „Wozzeck“ oder gar weiblich. Die einzige so bezeichnete Ärztin tritt in Wagners „Tristan und Isolde“ auf. Schon im Mythos für ihre Heilkräfte gerühmt, kann Isolde zwar Tristans Tod nicht verhindern, ihn aber wenigstens musikalisch mit ihm sterben.

In Kooperation mit der Ev. Stadtakademie

Der Arzt in der (italienischen) Oper