Fremde Nachbarn - Rom und die Germanen

Römer und Germanen – zwei Kulturen, die über Jahrhunderte nebeneinander lebten, sich begegneten, bekriegten und beeinflussten. Zwischen Handel, kulturellem Austausch, Allianzen und Auseinandersetzungen lagen Nähe und Distanz oft dicht beieinander. Nationale und internationale archäologische Funde beider Kulturen lassen Geschichten lebendig werden, die uns bis heute etwas über ihr Zusammenleben erzählen. Denn das Verhältnis zwischen Römern und Germanen formte nicht nur das antike Europa – es wirft auch Fragen auf, die bis in unsere Gegenwart reichen: Wie gehen wir mit dem Fremden um? Wie entstehen Vorurteile? Und was können wir aus der Geschichte lernen, um neue Wege des Miteinanders zu finden?

Die Große Sonderausstellung „Fremde Nachbarn”, die im Limesmuseum Aalen gezeigt wird, erzählt von Begegnungen und dem Alltag der Menschen diesseits und jenseits des Limes – von Waffen und Weingefäßen, von römischen Städten und germanischen Dörfern, von Grabbeigaben und Inschriften. Erleben Sie, wie vor 2.000 Jahren gehandelt, gestritten – und voneinander gelernt wurde.

Quelle: Limesmuseum Aalen
Abb.: Grabstein des neckarsuebischen Soldaten Respectus, Ausschnitt (© Kurpfälzisches Museum Heidelberg)

Video-Vitality. Grenzüberschreitungen in der italienischen Kunst

Das Ausstellungsprojekt Video-Vitality. Grenzüberschreitungen in der italienischen Kunst, das eigens für das Italienische Kulturinstitut Berlin konzipiert wurde, präsentiert eine Auswahl von Werken, die die Verwendung von Videos durch italienische Künstlerinnen und Künstlern von den 1970er Jahren bis heute reflektieren. Es wird deutlich, wie sie durch dieses Medium disziplinäre Grenzen überwinden und zur Neuerfindung künstlerischer Ausdrucksweisen beitragen konnten.

Werke von Gianfranco Baruchello, Filippo Berta, Benedetta Fioravanti, Claire Fontaine, Giovanni Giaretta, Nicoletta Grillo, Eva Marisaldi, Masbedo, Luca Maria Patella, Agnese Purgatorio, Enrico Serotti.

Entworfen und kuratiert von Giacomo Zaza. In Zusammenarbeit mit Associazione Respirare Sinapsi, CSC-Cineteca Nazionale.

Informationen: iicberlino.esteri.it

Come il vento. Italienische „Fotografie der Orte“

Die Ausstellung “Come il vento“ ist eine Entnahme aus „No Place like Home“, der größten Überblicksausstellung zur italienische Fotografie seit „Viaggio in Italia“ aus dem Jahre 1984. Es werden rund 60 Werke von 10 italienischen Fotografinnen und Fotografen präsentiert, die sich auf individuelle Weise mit dem Medium der Fotografie auseinandergesetzt haben und in einer besonderen Beziehung zu Guido Guidi, einem der wichtigsten Vertreter der neuen italienischen Fotografie, stehen.

„Come il vento“ untersucht die sogenannte „Fotografie der Orte“, die Guido Guidi zusammen mit Luigi Ghirri, Gabriele Basilico und Olivo Barbieri als neue künstlerische Entwicklung in der Italienischen Fotografie seit den späten 1970er Jahren etabliert hat. Diese Herangehensweise wurde von den nachfolgenden Generationen neu interpretiert. In der „Fotografie der Orte“ konzentrierten sich die Fotograf*innen in ihrer Arbeitsweise auf die Betrachtung von Fotografie als Wiedergabe der materiellen Objekte, welche die von den Menschen bewohnten Räume bestimmen.

Mit der „Fotografie der Orte” haben diese Fotografen versucht, ein besonderes Gefühl der Zugehörigkeit und Nähe zum eigenen Territorium und insbesondere zu den Gebieten zwischen Stadt und Land herzustellen. Für diese Künstler ist die Fotografie also weniger ein Mittel der bildlichen Darstellung, sondern richtet sich mehr auf die Räume, in denen sich das Leben der Menschen konkret abspielt.

Die hier gezeigten Fotograf*innen eint die geistige und sinnliche Auseinandersetzung mit dem Ort als kollektives Gedächtnis. Obwohl es in Italien keine einheitliche Schule der Fotografie an einer Kunstakademie gab, haben die meisten der hier gezeigten Autor*innen bei Guido Guidi an der Accademia di Belle Arti in Ravenna oder der Universität von Venedig studiert. In ihrer klaren Bildsprache erschaffen sie beeindruckende Werke voller Poesie und Reflexion, abseits aller Klischees von „Dolce Vita“ und „Bella Italia“.

Beteiligte Fotograf*innen: Carmen Colombo, Matteo Di Giovanni, Alessandra Dragoni, Cesare Fabbri, Marcello Galvani, Guido Guidi, Francesca Iovene, Allegra Martin, Francesco Neri und Luca Nostri.

Ralph Goertz (*1970 in Krefeld) studierte Theater- und Filmwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum und Kulturmanagement an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern und Zürich. 2009 gründete er das IKS – Institut für Kunstdokumentation in Düsseldorf und erweiterte es 2022 um eine eigene Fotoabteilung (IKS Photo). Seine Ausstellungen und Filme gewannen zahlreiche Auszeichnungen wie „Die neun besten Ausstellungen des Sommers 2019 in Europa“, „Beste Ausstellung 2020“, „Delphic Art Movie Award Berlin“ und den „On Art Film Award“ in Warschau. Heute arbeitet Goertz als Filmemacher und Kurator für Fotografie u.a. mit der Kunsthalle Darmstadt, Kunsthalle Düsseldorf, Kunstpalast, Ludwiggalerie Oberhausen, Clems-Sels Museum Neuss, NRW-Forum Düsseldorf, Haus am Kleistpark, Museum für Fotografie Berlin, Photo Museum Ireland und dem Museum for Photography Krakow zusammen. Seine Filme sind in den Sammlungen internationaler Museen wie Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Museum of Modern Art New York und Ghetty Museum Los Angeles vertreten.

Eröffnung: Freitag, 6. Februar um 19.00 Uhr. In Anwesenheit des Kurators Ralph Goertz

Quelle: IIC Colonia
Abb.: Alessandra Dragoni_LIBERA POESIA, 2023

Jazz: Düsseldorf/Palermo

Anlässlich des Jubiläums „10 Jahre Städtepartnerschaft Düsseldorf/Palermo“ veranstalten das Stadtmuseum Düsseldorf und der Verein Düsseldorf-Palermo e.V. eine Sonderausstellung, die den Jazz beider Städte feiert: Sie vereint legendäre Jazz-Bilder bedeutender Künstler wie Konrad Klapheck und Alessandro Bazan. Malerei, Grafik, Fotografie, Musikinstrumente, Video und Audio erzählen urbane Jazz-Geschichten.

Jazz-Live-Konzerte machen die Ausstellung für Sie zur Bühne, jeweils am 19.2., 19.3., 23.4., 7.5., 11.6., 23.7., 6.8.2026 um 18 Uhr (Eintritt frei).

Die Ankunft des Jazz in Deutschland fiel in die Mitte der 1920er Jahre. Er war etwas Unerhörtes, eine musikalische Revolution, und wie alles Revolutionäre stieß der Jazz auf der einen Seite auf Misstrauen und Unverständnis, auf der anderen auf Begeisterung vor allem beim jungen Publikum, das die neue Musik als Tanzmusik bejubelte. Doch währte diese Phase nicht lange. 1933 verschwand in Nazi-Deutschland die als ‚undeutsch‘ und ‚entartet‘ diffamierte Musik wieder aus der Öffentlichkeit.

Nach Ende von Krieg und Nazidiktatur wurde der Jazz dann zum hörbaren Zeichen von Befreiung und Neuanfang. Seine Ausübung blieb jetzt nicht wie früher den Profis vorbehalten, sondern viele musikalische Amateure versuchten sich als Jazzmusiker und engagierten sich für die Verbreitung des Jazz. Seit den 1950er Jahren sorgten umjubelte Gastspiele der großen US-amerikanischen Jazz-Stars auf deutschen Bühnen für Aufsehen. In Deutschland bildete sich eine Infrastruktur heraus, die bis heute dafür sorgt, dass der Jazz fester Bestandteil des kulturellen Lebens ist.

Eine Initialzündung für den Jazz in Düsseldorf ging von der Großen Ausstellung für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen (GeSoLei) aus, die von Mai bis Oktober 1926 über 7 Millionen Besucher anzog. Bars, Clubs und Tanzpaläste entstanden, in denen das Publikum mit der eben erst in Europa angekommenen Musik unterhalten wurde. Nach der Zeit des Verstummens zwischen 1933 und 1945 lebte diese Tradition in der Stadt rasch wieder auf. Bereits im Januar 1948 wurde der Hot Club Düsseldorf ins Leben gerufen, in dem Jazz gespielt und über Jazz diskutiert wurde. 1953 gründeten sich im Hot Club die Feetwarmers, bis in die 1960er Jahre Düsseldorfs wichtigste Jazz-Band. Bald machten auch die amerikanischen Stars bei ihren Europatourneen Station in der Stadt, und mit dem 1955 begründeten Amateur Jazz-Festival legte Düsseldorf den Grundstein für eine bis heute anhaltende Tradition wiederkehrender Veranstaltungsformate wie Jazz im Hofgarten (1988) oder Jazz-Rally (1993). Seit 1995 hat der Jazz in der mit Unterstützung der Stadtverwaltung begründeten Jazz-Schmiede auch von Amts wegen eine feste Adresse in Düsseldorf.

Eröffnung: 8.2.2026, 11 Uhr

ww.duesseldorf.de

KUNST GESCHICHTEN

Die Casa di Goethe öffnet ihr Kunstdepot und präsentiert Neuzugänge der letzten Jahre. Einen Schwerpunkt der Sammlungstätigkeit bilden nach wie vor die Künstler aus Goethes Umfeld, u. a. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und Jakob Philipp Hackert. Sie sind mit besonderen Zeichnungen in der Ausstellung vertreten.

Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit verstärkt auf den deutschen Künstlerverein in Rom im 19. Jahrhundert gerichtet, dessen Bibliothek im Haus bewahrt wird. Die Bilder dieser Maler, die einer bedeutenden Epoche der deutschen Italienerfahrung angehören, finden nun vermehrt Eingang in die Sammlung. Zu ihnen zählen z. B. Oswald Achenbach und Wilhelm Brücke, deren neu erworbene Werke hier erstmals präsentiert werden.

Auch im 20. und 21. Jahrhundert bleibt die Faszination ungebrochen, die Goethe auf Künstler ausübt. So werden zudem Arbeiten von Filippo de Pisis, Henry Moore und Claudia Berg gezeigt, die neue Perspektiven auf das Werk des Dichters eröffnen.

Quelle: Casa di Goethe
Abb.: Wilhelm Brücke, Vollmond über dem Golf von Neapel mit ausbrechendem Vesuv, 1847, Casa di Goethe © Max Planck Institut für Kunstgeschichte (Enrico Fontolan)

MADE In ITALY – Tra sacro & profano

Es werden verschiedene Kunstwerke von Matteo Basile, Carlo Bevilacqua, Vito Centonze , Sante d´Orazio, Pino Lauria, Luigi Ontani und Claudio Vino gezeigt. Für manche Künstler ist dies die erste Ausstellung in Deutschland.

Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Bibliothek besucht werden.

„Jenseits der Fassade/ Oltre la Facciata“

In Kooperation mit der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und dem Kulturverein „Il Ponte“ Marburg findet in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar am Freitag, den 23. Januar 2026, 17.00 Uhr eine Vernissage mit musikalischer Umrahmung und kunsthistorischer Einführung der Ausstellung von Fotos aus Venedig statt: „Jenseits der Fassade/ Oltre la Facciata“.

Der Stadt Venedig liegt ein eigener Zauber inne – nicht umsonst ist sie zum Schauplatz zahlreicher phantastischer Romane und Geschichten geworden. Die Künstlerin Birgit Salzmann ist ihr seit mehr als dreißig Jahren verbunden. Als Literaturübersetzerin mit einer Vorliebe für Werke mit Venedigbezug ist sie stets auf der Suche nach Worten und Bildern, um die sprachlichen Feinheiten auszudrücken. Dabei fand sie ein Venedig „jenseits der Fassade“, entdeckte Details, die nicht sofort ins Auge fallen und entführt in ihren Fotografien an außergewöhnliche Orte, die Neugier und Phantasie wecken.

Nach einer Einführung durch den Kunsthistoriker Prof. Dr. Christian Janecke und einer musikalischen Umrahmung durch Irene Oberosler (Gesang) und Anja Lagerwerf (Klavier) von Il Ponte, Marburg, wird die Ausstellung an diesem Freitag eröffnet.

Hommage an Vittore Carpaccio. Ein restauriertes Meisterwerk und die Malerei Venedigs um 1500

Die „Grabbereitung Christi“ ist eines von zwei großformatigen Meisterwerken Vittore Carpaccios (um 1465–1525/26), mit denen der venezianische Künstler in der Gemäldegalerie vertreten ist. In den letzten Jahren wurde das Gemälde umfassend untersucht und restauriert. 500 Jahre nach Carpaccios Tod erstrahlen die Farben des Werkes nun wieder in ihrer ganzen Pracht. „Die Grabbereitung“ steht im Mittelpunkt einer Sonderpräsentation, die auch andere venezianische Gemälde aus eigenem  Bestand, grafische Werke aus dem Kupferstichkabinett sowie die Reproduktion einer Tafel aus Aby Warburgs „Bilderatlas Mnemosyne“ umfasst.

Die Ausstellung stellt die „Grabbereitung“ in ihren inhaltlichen und künstlerischen Kontext, indem sie den Vergleich mit Werken von Giovanni Bellini, Cima da Conegliano, Palma il Vecchio, Francesco Bissolo und Carpaccio selbst ermöglicht. Darüber hinaus werden zwei wertvolle Leihgaben aus dem Kupferstichkabinett gezeigt: eine Vorzeichnung von Carpaccio, die den toten Christus wiedergibt, und ein Stich von Andrea Mantegna, der dem venezianischen Maler als Inspiration diente.

Carpaccios „Grabbereitung Christi“

Die „Grabbereitung Christi“ ist ein ebenso bemerkenswertes wie geheimnisvolles Werk. Anstelle der üblicheren Beweinung wählte der Maler den Moment zwischen dem Tod Christi am Kreuz und seiner Auferstehung: Im Bildzentrum ist der Leichnam Christi aufgebahrt, dahinter wird das Grab geöffnet und Joseph von Arimathia bereitet die Waschung des Leichnams vor. An einen Baum gelehnt sitzt ein meditierender Greis, vermutlich Hiob als alttestamentlicher Vorläufer Christi. Viele in eine  Ideallandschaft gesetzte erzählerische Details betonen den Gegensatz zwischen Leben und Tod: Schädel und Teile von Skeletten im Vordergrund, musizierende Hirten in der Bildmitte.

Für den Hamburger Kunsthistoriker Aby Warburg war die „Grabbereitung Christi“ so bedeutend, dass er sie 1929 neben Werken von Donatello und Raffael in seinen „Bilderatlas Mnemosyne“ aufnahm.  Die Originaltafel aus dem Bilderatlas wurde für diese Sonderpräsentation reproduziert.

Umfassend untersucht und restauriert

Der schlechte Zustand des Gemäldes führte zu einer umfassenden Restaurierung, die von der ehemaligen Chefrestauratorin der Gemäldegalerie, Babette Hartwieg, durchgeführt wurde.  Firnisschichten und frühere Retuschen hatten sich verfärbt und mussten entfernt werden. Die zusammen mit dem Rathgen-Forschungslabor durchgeführten Untersuchungen hatten gravierende Veränderungen bestimmter Farbpartien ergeben, die bei der Wahl der Restaurierungsverfahren zu berücksichtigen waren. Den Besucher*innen werden Informationen in unterschiedlicher Tiefe zu den Untersuchungsergebnissen wie auch zu den durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen an die Hand gegeben.

Informationen: www.smb.museum

Quelle: Staatliche Museen zu Berlin
Abb.: Vittore Carpaccio: Die Grabbereitung Christi, ca. 1515-1520 (Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Thuja Seidel; Public Domain Mark 1.0)

 

Fiori di Pace - Blumen des Friedens

Rossellas Baldecchis Werke eigenen sich optimal, den Internationalen Frauentag zu begehen - gerade wegen der in den Gemälden behandelten Themen, bei denen die weibliche Figur im Mittelpunkt steht. Hinter Rossella Baldecchis Bildern, die junge Frauen zeigen, stecken Schicksale und Geschichten von Frauen aus aller Welt. Ihre kraftvolle klare Kunst zeigt sehr originelle Elemente und erzählt die Geschichten von Frauen, die oft auch Opfer von Gewalt oder Unterdrückung werden. Auf diese Weise verbindet sich künstlerische Vollkommenheit mit der gewünschten Aussage, dass wir leider noch weit von vollkommener Gleichberechtigung der Frau entfernt sind.

Rossella Baldecchi absolvierte 1983 das „Nationale Kunstinstitut in Pistoia (Toskana)“ und die „Akademie der Schönen Künste in Florenz“. Sie war Lehrerin für Design und stellt seit fast 40 Jahren in Italien und im Ausland aus, wobei sie auch wichtige Preise und Auszeichnungen erhalten hat. Ihre letzten Auslandsausstellungen fanden in Japan, 2017 in Tokio und 2019 in Hiroshima statt. Ihre Arbeiten befinden sich derzeit in Galerien in den Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien

Vernissage: 06.03.2026, 17 Uhr, anlässlich des Weltfrauentages am 08.03.

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Il Rinascimento di Boccaccio Boccaccino

Anlässlich des 500. Todestages des Künstlers Boccaccio Boccaccino (Ferrara?, 1462/vor dem 22. August 1466 – Cremona, 1525) findet im Diözesanmuseum von Cremona die erste monografische Ausstellung statt und bietet damit eine einmalige Gelegenheit den wenig bekannten Meister zu würdigen, der dennoch von unbestrittener Bedeutung für die Bildkultur der Renaissance in Norditalien ist.

Giorgio Vasari bezeichnete ihn in seinen berühmten Viten als „seltenen“ und „ausgezeichneten Maler“. Dank seiner Tätigkeit in den wichtigsten Kunstzentren Norditaliens trat Boccaccino als kluger Interpret der Lehren auf, die Leonardo in Mailand und Giorgione in Venedig vermittelt hatten.

Den Anlass für die Ausstellung bildet der jüngste Erwerb eines Tafelgemäldes des Meisters durch das Diözesanmuseum Cremona – ein Fragment eines ehemaligen Altarbildes aus der Kirche San Pietro al Po in Cremona, das als sein letztes Werk kurz vor seinem Tod entstand. Mit dieser Neuerwerbung besitzt das Museum heute den umfangreichsten Bestand an Werken Boccaccinos, darunter das restaurierte Altarfragment, die herrliche „Verkündigung Ludovisi“ (Dauerleihgabe der Fondazione Arvedi Buschini), die Kreuzigung sowie die Heilige Familie mit Maria Magdalena.

Dank bedeutender Leihgaben aus namhaften Museen, darunter die Uffizien, die Galleria Estense, das Museo di Capodimonte, das Museo Civico di Padova und das Museo Correr, sowie einiger außergewöhnlicher Privatleihgaben, zeichnet die Ausstellung Boccaccinos künstlerischen Werdegang von den Anfängen bis zu seinen späten Jahren nach. Sie beleuchtet seine Tätigkeit in Ferrara, Genua, Mailand, Venedig, Rom und Cremona, wo sich im Dom das außergewöhnliche Freskenzyklus im Mittelschiff befindet.

So wird die Bedeutung des Malers im Kontext der italienischen Renaissance zwischen dem späten 15. und den ersten drei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts deutlich.

Quelle: Museo Diocesano Cremona
Abb.: Boccaccio Boccaccino: Madonna col Bambino, ca. 1499-1500 (Padova, Musei Civici, Museo d’Arte Medioevale e Moderna)