FEDERICO FELLINI: Von der Zeichnung zum Film

Vom 12. November 2021 bis zum 20. Februar 2022 präsentiert das Museum Folkwang in der Ausstellung Von der Zeichnung zum Film selten bis noch nie öffentlich gezeigte Zeichnungen Federico Fellinis (1920–1993). Rund 220 Zeichnungen des Filmemachers und Drehbuchautors stehen den realisierten Filmszenen in Filmstills und -ausschnitten, Drehbuchauszügen und Filmplakaten gegenüber. Dies ermöglicht Einblicke in Fellinis kreativen Arbeitsprozess und verdeutlicht den Stellenwert der Zeichnungen für sein Filmschaffen. Es ist das erste Mal seit rund 30 Jahren, dass Fellinis Arbeiten auf Papier wieder in großem Umfang in Deutschland zu sehen sind.

Die Zeichnung war für Fellini unverzichtbares Arbeitsmittel bei der Konzeption seiner Filme und half ihm bei der Visualisierung seiner Vorstellungen. So zeichnete er, um sich z.B. über die Ausprägung einer bestimmten Figur klar zu werden, noch bevor entschieden war, wer diese Rolle übernehmen würde; das Zeichnen war wie ein Gespräch mit sich selbst. Die Zeichnungen dienten aber nicht nur Fellini, auch seine MitarbeiterInnen und die Werkstätten des Filmstudios Cinecittà, wo er die meisten seiner Filme produzieren ließ, nutzten die Arbeiten als Vorlagen bei der Realisierung von Kostümen, Maskenbildern oder Kulissen. In der Ausstellung zeigt sich anhand der Gegenüberstellung der Zeichnungen mit den jeweiligen Filmszenen, wie nahe die filmische Umsetzung der zeichnerischen Vorlage häufig kommt. Die Zeichnungen und Fotografien stammen aus der Sammlung Jakob und Philipp Keel (Zürich) und umfassen fast den gesamten Zeitraum der Filmproduktion Fellinis, vom Beginn der 1950er Jahre bis in die frühen 1980er Jahre. Insgesamt sind zwölf Filme repräsentiert, mit einem Schwerpunkt auf den Filmen Amarcord (1973), Il Casanova (1976), La città delle donne (1980) und E la nave va (1983). Eine doppelseitige Zeichnung Fellinis zu seinem ‚Casanova‘ aus dem Privatbesitz seines ehemaligen Assistenten Gérald Morin wird erstmals gezeigt. Die Filmplakate in der Schau stammen aus der Sammlung des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang.

Fellinis vornehmliches Interesse beim Zeichnen galt seinen Filmfiguren. Zwar gibt es Entwürfe zu bestimmten Schauplätzen, etwa zum Speisesaal des Trimalchio in Satyricon, zu Maddalenas Lustschloss in Il Casanova oder zu diversen Räumlichkeiten des Ozeandampfers in E la nave va. Manchmal entwirft Fellini auch Details der Ausstattung, beispielsweise die feministischen Plakate oder das kolonialistische Wandmosaik in La città delle donne. Dennoch sind es vor allem seine Protagonisten, deren Charakter und Erscheinung er sich mit seinen Zeichnungen anzunähern versucht. Zum Zeichnen verwendete er alltägliche Materialien wie Filzstifte, Fineliner und Kugelschreiber, manchmal auch Bleistifte, und meist handelsübliches Schreibpapier. Manche Zeichnungen sind minutiös ausgearbeitet, andere bleiben skizzenhaft mit kurzen Notizen als Erläuterungen; nicht selten notierte er auch Telefonnummern oder andere Informationen auf den Papieren. In einigen Fällen lösen sich die Zeichnungen von der eigentlichen Filmproduktion, wie die burlesken Portraitzeichnungen Anita Ekbergs zeigen, die den Typus der weiblichen Hauptfigur Sylvia aus La dolce vita ins Absurde übersteigern. Fellinis künstlerische Prägung aus seinen früheren Aktivitäten als Karikaturist und Erfinder humoristischer Zeichnungen brachte es mit sich, dass auch seine Filmzeichnungen einen deutlichen Zug ins Karikaturhafte, bisweilen Groteske haben. Es ist dieser spezifische Stil, der die Zeichnungen auch unabhängig von seinen Filmproduktionen zu Schöpfungen eigenen Werts macht.

Federico Fellini zählt zu den bedeutendsten Filmemachern des 20. Jahrhunderts. Vom Neorealismus des italienischen Kinos der Nachkriegsjahre wandte er sich rasch ab und entwickelte eine eigene, subjektive Bildsprache, für die sich später der Begriff „fellinesk“ etablierte: Das Evozieren wirkmächtiger Bilder war für ihn wichtiger als das stringente Erzählen einer Geschichte. Fellinis Filme stießen weltweit auf Interesse und erhielten zahlreiche Auszeichnungen. Im Laufe seines Lebens wurden vier Filme mit einem Oscar in der Kategorie Bester ausländischer Film gewürdigt. 1993, wenige Monate vor seinem Tod, erhielt er den Ehrenoscar für sein Lebenswerk.

„Der eine wirft hastig ein paar Worte, eine Empfindung aufs Papier, und ich zeichne eben, entwerfe die Züge eines Gesichts, Einzelheiten eines Gewands, die Körperhaltungen einer Person, ihren Ausdruck, gewisse anatomische Eigenheiten. Das ist meine Art, mich an den Film, den ich gerade mache, heranzupirschen, dahinterzukommen, was es mit ihm auf sich hat, und ihm verstohlen ins Gesicht zu blicken.“ (Federico Fellini, 1983).

In Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich, das die Ausstellung im Sommer 2022 zeigen wird. Gefördert vom Istituto Italiano di Cultura Colonie. Medienpartner: arte.

Museum Folkwang Essen
Abb.: Federico Fellini: Frau Carla, 1961–1962, Zeichnung zu Achteinhalb, Faserstift, 28 x 22 cm, Sammlung Jakob und Philipp Keel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

www.museum-folkwang.de

VERZAHNUNG

Seit Beginn der Moderne hat das Wechselspiel zwischen Kunst und Musik wesentliche Impulse zur weiteren Entwicklung neuer Kunstformen gesetzt. Das Projekt „Verzahnung“ versteht das Zusammenwirken von Bildender Kunst und Musik  genuin als Raumkunst. Das Projekt verfolgt das Ziel, das vielseitige Zusammenwirken zwischen bildnerisch-räumlich und räumlich-musikalischen Inhalten und den „Realitäten der Orte“ künstlerisch zu erforschen und für das Publikum sinnlich erfahrbar zu machen.

Mit Werken von Alessandro Bazan, Roberto Caccamo, Erika Giacalone, Axel Kreiser, Leunora Salihu und Andreas Techler.

Es gilt die 2G-Regel

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Treffpunkt Rom 1810 – Die Geschichte eines Künstlerstammbuchs

Eigentlich sollte die Sonderausstellung „Treffpunkt Rom 1810 – Die Geschichte eines Künstlerstammbuchs“ bereits im vergangenen Jahr im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel gezeigt werden. Aufgrund des zweiten Corona-Lockdowns musste sie aber nach wenigen Tagen wieder schließen. Jetzt kann die Musemslandschaft Hessen Kassel (MHK) die Kunstschau glücklicherweise wiedereröffnen. Vom 30. Oktober 2021 bis 30. Januar 2022 widmet sich die Ausstellung im Schloss Wilhelmshöhe dem Künstlerstammbuch des livländischen Adligen Wilhelm von Blanckenhagen.

Im Frühjahr 2019 konnte die Graphische Sammlung (MHK) mit großzügiger Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Hessischen Kulturstiftung und des Museumsvereins Kassel e. V. eine spektakuläre Neuerwerbung tätigen: ein Künstlerstammbuch, das der livländische Adlige Wilhelm von Blanckenhagen (Riga 1761 – Allasch 1840) 1810 in Rom zusammentrug. Die Ergebnisse der aufwendigen und wissenschaftlich ertragreichen Erforschung des Albums waren bereits 2020 kurzzeitig in einer Sonderausstellung im Schloss Wilhelmshöhe zu sehen.

Vereinigung Deutsch-Italienischer Kultur-Gesellschaften_Ausstellung_Treffpunkt-Rom-1810

Wie Gottlieb Schick oder Christian Daniel Rauch stammen die meisten Künstler, die Blanckenhagen um einen Beitrag für sein Stammbuch bat, aus dem unmittelbaren Umfeld Caroline von Humboldts. Die Bedeutung des Albums für die Forschung ist nicht zu unterschätzen. Ergänzt durch eine ausgezeichnete Quellenlage wie Briefe, Tagebuchaufzeichnungen oder Zeitungsberichte veranschaulicht es beispielhaft das Beziehungsgeflecht der Künstler des Humboldt-Kreises.

Blanckenhagens Interesse für Kunst hat sich aber nicht nur in diesem Stammbuch niedergeschlagen. Wie Caroline von Humboldt ließ er seine Töchter durch Gottlieb Schick porträtieren. Als Subskribent unterstützte er das aufwendige Publikationsprojekt der Brüder Riepenhausen zur „Geschichte der Mahlerei in Italien“. Auf seine Initiative hin entwarf Thorvaldsen ein Denkmal für seine Vaterstadt Riga.

Das Album Wilhelm von Blanckenhagens erweitert das zeichnerische Oeuvre sowie die Biographie bedeutender deutscher und russischer Künstler des 19. Jahrhunderts in Italien. Es erbrachte darüber hinaus neue Erkenntnisse zur bislang kaum erforschten Sammeltätigkeit der Deutsch-Balten und zur Gattung des Künstlerstammbuchs im frühen 19. Jahrhundert. Weiter bietet das Entstehungsjahr kunsthistorisches Potential, da sich 1810 durch die Ankunft der Lukasbrüder entscheidende künstlerische Veränderungen ankündigen.

Informationen: Treffpunkt Rom 1810

Museumslandschaft Hessen Kassel
Abb.: 1) Franz Friedrich Riepenhausen: Caritas, Graphische Sammlung (Ute Brunzel, Museumslandschaft Hessen Kassel), 2) Ausstellungsansicht (Pyramidenmodell) (Mario Zgoll, Museumslandschaft Hessen Kassel)

Il Centenario - Fellini nel Mondo/Hundert Jahre Fellini in der Welt

Federico Fellinis Ruhm ist weltweit gewaltig; er gehört zu jenem kleinen Kreis von Italienern, die für Millionen von Europäern und Amerikanern in gewisser Weise Italien verkörpern.

Fellini hat dieses Kunststück auf einem höchst anspruchsvollen Weg vollbracht: Er hat zunächst als Drehbuchautor, dann als Regisseur eine Galerie komischer, wild erregter Phantome geschaffen. Wie nur wenige andere hat er dabei die Veränderungen der italienischen Alltagswelten festgehalten und gleichzeitig auf beispielhafte Weise die Symbole unserer Vergangenheit und unserer schillernden Gegenwart eingefangen.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum hundertsten Geburtstag des Maestros war es eine mehr als nur gebotene Geste der Dankbarkeit, eine Ausstellung auf Reisen zu schicken und sie unter das Zeichen dieser Persönlichkeit zu stellen, die dazu beigetragen hat, Italien durch die Sprache des Kinos einen herausragenden Rang auf der internationalen Bühne zu verleihen.

Die Wanderausstellung "Il Centenario. Hundert Jahre Fellini in der Welt" führt in einer systematischen Sammlung, an der öffentliche und private Archive und Sammler beteiligt sind, möglichst umfassendes Material zusammen, das er geschaffen hat bzw. das ihn betraf. Das Projekt soll den Facettenreichtum, die Vielseitigkeit des Maestro hervorheben - Eigenschaften, die ihn in den Rang eines Mythos erhoben haben. Gerade die Vielfalt und Menge der gesammelten Materialien und ihre immer wieder neuen und noch nicht gesehenen Deutungen lassen uns die Gründe für seinen Ruhm und das stetige Interesse an seiner Persönlichkeit begreifen, das auch achtundzwanzig Jahre nach seinem Tod in der ganzen Welt fortbesteht.

Der eigentliche Sinn dieser Ausstellung ist nicht nur eine Hommage an einen großen Protagonisten der italienischen Kultur, sondern ist auch Teil von Denk- und Handlungsfiguren, die in den letzten Jahren den Begriff "Erinnerung" neu bestimmt und dessen Bedeutung um eine Facette mit tiefgreifender ethischer Bedeutung erweitert haben. Erinnerung wird hier verstanden als Transportmittel tauglicher Vorbilder, als ein Erbe, das aus höchsten, auch heute durchweg lebbaren Werten besteht, die es zu bewahren und in der Gegenwart für Gebrauch und Nutzen der heutigen Gesellschaft, für ihre Bereicherung und ihre Weiterentwicklung umzugestalten gilt.

Ein Projekt von MAECI - Direzione Generale per la Promozione del Sistema Paese, Istituti Italiani di Cultura, C.O.R. Creare Organizzare Realizzare. Partner: Mibact - Direzione Generale Cinema e Audiovisivo, Eredi e amici di Fellini

Informationen:

Öffnungszeiten: ab 28. Oktober, immer donnerstags von 15:00 bis 18:00 Uhr und nach Veranstaltungen im Institut von 20:30 bis 21:30 Uhr. Anmeldung erforderlich über Eventbrite

Il Centenario - Fellini nel Mondo

Höllenschwarz und Sternenlicht. Dantes Göttliche Komödie in Moderne und Gegenwart

Anlässlich des 700. Todesjahrs des italienischen Dichters und Philosophen Dante Alighieri (1265-1321) zeigt das Kupferstichkabinett eine Auswahl aus zwei Holzschnittfolgen der 1920er-Jahre.

Diese stammen von der Dänin Ebba Holm und dem Deutschen Klaus Wrage. Beide setzen sich facettenreich mit Dantes literarischem Hauptwerk, der „Göttlichen Komödie“, auseinander – und damit mit Dantes virtueller Wanderung durch die Hölle über den Läuterungsberg bis hin zum Paradies.

Vereinigung Deutsch-Italienischer Kultur-Gesellschaften_Dante_Siekmann_Almeria

Ergänzend werden nicht nur Werke von Odilon Redon, Wilhelm Lehmbruck und Willy Jaeckel gezeigt, sondern auch farbige Computerzeichnungen des Berliner Künstlers Andreas Siekmann (geb. 1961) aus seinem 94-teiligen Werkkomplex „Die Exklusive – Zur Politik des ausgeschlossenen Vierten“ (2002-2011). Siekmann schildert in „Die Exklusive“ in mehreren Serien besonders gegenwärtige Höllenfahrten, die Dante und sein Wegführer, der antike Dichter Vergil, unternehmen.

Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin.

Informationen: Höllenschwarz und Sternenlicht

Abb.: Andreas Siekmann, Ohne Titel, aus „Die Exklusive. Zur Politik des ausgeschlossenen Vierten (Almeria)“, 2002-2011, Computerzeichnung, Direktdruck auf Papier, erworben aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin von der Kulturverwaltung des Berliner Senats, 2016, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Foto: Courtesy Andreas Siekmann und Galerie Barbara Weiss, Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Modigliani. Revolution des Primitivismus

Anlässlich seines 100. Todestages würdigt die ALBERTINA in Wien den Künstler Amedeo Modigliani (1884-1920). Zeitlebens wenig erfolgreich, zählt Modigliani zu den bedeutendsten Malern der Geschichte, dessen Gemälde heute dreistellige Millionenbeträge erzielen. Eine eindrucksvolle Schau von über 120 Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen des mythenumrankten Italieners, die Sie in das Paris des frühen 20. Jahrhunderts führt: der Geburtsstätte der modernen Malerei.

Die Ausnahme-Ausstellung präsentiert dabei das Werk des Malers auf noch nie gesehene, ganzheitliche Weise: seine Zeichnungen, Skulpturen und Gemälde werden hier gleichzeitig präsentiert. Die Kunstgattungen wurden nicht getrennt beleuchtet, sondern können im gleichen Kontext und im Zusammenhang zueinander betrachtet werden: damit verwirklicht die ALBERTINA einmal mehr das Prinzip der Unteilbarkeit des Künstlerischen, die Grundlage aller großen Ausstellungen der letzten 20 Jahre.

Vereinigung Deutsch-Italienischer Kultur-Gesellschaften_Modigliani_Albertina

Die Ausstellung geht über eine rein monografische Retrospektive hinaus, denn sie interessiert sich für Modiglianis Platz im brodelnden Kosmos der sogenannten „primitivistischen“ Einflüsse im Herzen der Pariser Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts. Diese große Ausstellung zeigt, wie sehr Modigliani von afrikanischer Kunst, den 4.000 Jahre alten Skulpturen der Kykladen oder auch der Kunst der Khmer Kambodschas fasziniert war. So wie bei Picasso, Derain und Brancusi verschmolzen diese Einflüsse auch bei Modigliani mit seinen Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen.

Erstmals in Österreich zu sehen sind bedeutende Werke aus den renommiertesten Museen und Privatsammlungen der Welt aus drei Kontinenten, von den USA bis Singapur, von Großbritannien bis Russland. Die wichtigsten Beiträge steuern das Musée Picasso in Paris und die Sammlung von Jonas Netter bei, der zu ersten Sammlern Modiglianis, noch zu Lebzeiten, gehörte.

Kunst zwischen Archaik und Avantgarde

Die ALBERTINA stellt den Künstler in den Kontext eines außergewöhnlichen Kreises von Avantgarde-Malern und vor allem in die Nähe von Pablo Picasso. Der Kurator der Ausstellung, der Kunsthistoriker Marc Restellini – ein international anerkannter Spezialist für Amedeo Modigliani und Autor des im nächsten Jahr erscheinenden Werkverzeichnisses – spricht von einer Revolution der plastischen, visuellen und symbolischen Einflüsse. Diese Revolution war das Ergebnis der Begegnung mit antiken und außereuropäischen Objekten aus den Bereichen Kunst und Archäologie, die zu dieser Zeit in Museen und auf dem Markt zunehmend zugänglich waren. Sie betraf Modigliani ebenso wie seine Kollegen (Pablo Picasso, Constantin Brancusi, André Derain usw.) und zeigte sich in einer Veränderung der Formen, der Körper, der Ideen und der Gefühle, die in ihren Werken zum Ausdruck kommt. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, für die der Große Krieg 1914 bis 1918 eine Zäsur darstellte, wurde Modiglianis Werk bis zu seinem Tod im Jahr 1920 von dieser Revolution geprägt.

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Dieser Blick auf Modiglianis Schaffen und seine Beziehung zu den anderen Künstlern nimmt Abstand von der dramatischen Geschichte, die häufig im Gedächtnis bleibt: die eines jungen Künstlers aus Livorno, der im Alter von elf Jahren an einer Rippenfellentzündung erkrankte, dann 1898 an Typhus und der sein ganzes Leben unter chronischer Tuberkulose litt - der Krankheit die ihn letztendlich 1920 im Alter von 35 Jahren dahinraffte. Seine junge Verlobte, Jeanne Hébuterne, Mutter der gemeinsamen Tochter Jeanne und zum zweiten Mal, im achten Monat, schwanger, folgte ihm zwei Tage später, indem sie sich das Leben nahm.

Die ALBERTINA wirft mit der Ausstellung „Modigliani – Revolution des Primitivismus“ ein neues Licht auf den Künstler: Aufgeklärt, inspiriert und umgeben von einem außergewöhnlichen Kreis talentierter MalerInnen und KünstlerInnen, leistete er einen unschätzbaren und ganz individuellen Beitrag zur Kunstgeschichte, indem es ihm gelang, zwischen Antike und Moderne ebenso wie zwischen den verschiedenen Künsten selbst eine Brücke zu schlagen.

Die Ausstellung wird mit besonderer Unterstützung des Musée national Picasso-Paris organisiert.

Informationen: Ausstellung Modigliani

Abb./Foto: 1) Amedeo Modigliani: Sitzender Akt (Detail), 1917, Öl auf Leinwand, Royal Museum of Fine Arts Antwerp, www.artinflanders.be (Rik Klein Gotink); 2) Paul Guillaume: Modigliani in seinem Atelier, 1915, Musée de l’Orangerie, Paris, RMN – Grand Palais (Archives Jean Bouret)

Schreiben, Kunst und Forschung: Friedrich Noack (1858-1930) in Italien

Auf der Fährte eines Mannes, der selbst ein großer Spurensucher war: Friedrich Noack, der „fleißigste aller deutschrömischen Journalisten“ (Ludwig Pollak), vor allem bekannt für das Standardwerk „Das Deutschtum in Rom seit Ausgang des Mittelalters“ (1927). Bis heute wusste man nur wenig Persönliches über den von 1891 bis 1915 in Rom lebenden Italienkorrespondenten, Privatgelehrten und aktivem Mitglied im Deutschen Künstlerverein.

Es ist uns gelungen, den bisher unbekannten Privatnachlass aufzuspüren. Eine Zeitreise in die Jahrhundertwende um 1900: Aquarelle, Fotografien und persönliche Dokumente erzählen eine vielseitige Persönlichkeit, die sich um die Vermittlung der italienischen Landeskultur in einer Epoche des wachsenden Nationalismus bemühte.

Kuratorin:
Dorothee Hock († 10.08.2021)

Wissenschaftliche Mitarbeit:
Claudia Nordhoff

Informationen

Vereinigung Deutsch-Italienischer Kultur-Gesellschaften_Flyer_Noack

2016: 10. Herbstsalon Magdeburg