Focus Albertinum: Italien in Farbe
Die Landschaften Italiens gelten seit Langem als Inspirations-, Kraft- und Sehnsuchtsorte für Künstlerinnen und Künstler aus dem Norden. Im späten 19. Jahrhundert entstanden jedoch nicht mehr nur idyllisch oder heroisch aufgefasste Naturdarstellungen. Auch weniger spektakuläre Ansichten folgten nun dem Anspruch, das Land zu schildern, wie es „wirklich“ war.
Zwischen der stimmungsvollen Spätromantik eines Albert Rieger und dem radikalen Realismus Adolph Menzels scheinen Welten zu liegen, und dennoch haben ihre Bilder gleichen Anteil an dem großen Panoptikum der Malerei. Diese hatte damals gegenüber der aufkommenden Fotografie noch einen entscheidenden Vorteil: Nur sie zeigte dem Publikum jener Zeit – mit einem faszinierenden Reichtum an Nuancen – Italien in Farbe.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Abb.: Franz Richard Unterberger, Amalfi. Golfo di Salerno (© Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Estel / Klut)
Correggio. Berührend menschlich
Die Werke von Antonio Allegri, bekannt unter dem Namen seines Geburtsortes Correggio, faszinieren seit 500 Jahren. Ihre Sinnlichkeit, ihr Licht, ihre strahlende Farbigkeit und ihr lebendiger Ausdruck verleihen ihnen bis heute eine erstaunliche Präsenz. Mit der ersten großen Retrospektive außerhalb Italiens zum Gesamtwerk des Malers präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) ein außergewöhnliches Highlight im internationalen Kulturkalender.
Neben Leonardo, Raffael und Michelangelo zählt Correggio zu den Schlüsselfiguren der italienischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Heute ist er einem breiteren Publikum jedoch kaum bekannt. Die Dresdner Ausstellung möchte das ändern. Die Gemäldegalerie Alte Meister ist dafür der ideale Ort: Mit insgesamt vier der größten Tafelgemälden von Correggio besitzt sie den weltweit umfangreichsten Bestand an Altargemälden von seiner Hand. An ihnen lässt sich seine künstlerische Entwicklung eindrucksvoll nachvollziehen.
Ausgehend von diesem einzigartigen Schatz richtet die Ausstellung ihren Fokus auf Correggios meisterhafte Darstellung von Emotionen. Seine Werke sind „berührend menschlich“ – ganz gleich, ob sie christliche Heilige oder antike Gottheiten zeigen. Durch ihre lebhafte Mimik und Gestik wirken seine Figuren auch für ein heutiges Publikum nahbar; sie lassen die Betrachterinnen und Betrachter mitfühlen.
In sieben Kapiteln bietet die Ausstellung ein umfassendes Panorama von Correggios Schaffen, welches die unterschiedlichen Facetten und Phasen seines Werks nachvollziehbar werden lässt. Insgesamt sind rund 130 hochkarätige Objekte, darunter allein 20 Gemälde und weitere 20 Zeichnungen von Correggio selbst zu sehen. Gemälde von Zeitgenossen und Künstlern, die sich von ihm inspirieren ließen, darunter Parmigianino, Peter Paul Rubens, Carlo Maratti und Anton Raphael Mengs, ergänzen die Präsentation und veranschaulichen die Strahlkraft seiner Kunst.
Leihgaben kommen aus internationalen Museen wie dem Prado in Madrid, der National Gallery in London, der Galleria Borghese in Rom, den Uffizien in Florenz oder dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Aus dem Louvre reisen gleich zwei Hauptwerke nach Dresden, was als ein seltener Glücksfall bezeichnet werden kann: Neben „Venus und Cupido mit Satyr“ (um 1526/1528), wird Correggios „Mystische Vermählung der heiligen Katharina mit heiligem Sebastian“ (um 1525/1527) in der Ausstellung gezeigt, ein Gemälde, das seit seinem Eingang in die Sammlung noch nie außerhalb des Pariser Museums zu sehen war.

Als weiteres großes Highlight präsentiert die Ausstellung Correggios „Madonna des heiligen Sebastian“ (um 1524). Die Bildtafel konnte in den vergangenen Jahren im Schauatelier der Gemäldegalerie Alte Meister restauriert werden. Nachdem das Werk eingehend untersucht, stabilisiert, gekittet und retuschiert wurde, erstrahlt es nun wieder in seiner ursprünglichen farblichen Brillanz und rückt Correggio damit als Meister der Farbe und des Lichts in den Blick. Dem Prozess der Restaurierung und der maltechnischen Untersuchung widmet die Ausstellung ein eigenes Kapitel.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Präsentation der „Heiligen Nacht“ (um 1528/30). Die monumentale Altartafel galt im 18. Jahrhundert als das bedeutendste Werk der Dresdner Gemäldesammlung. Hier wird sie nun zusammen mit anderen Werken gezeigt, in denen sich Correggio mit Hell-Dunkel-Effekten auseinandersetzt, sowie mit Arbeiten anderer Künstler, welche die breite Wirkungsgeschichte von Correggios berühmtestem Gemälde veranschaulichen.
Correggios grandiose Fresken an verschiedenen Orten in Parma sind ein bedeutender Teil seines künstlerischen Schaffens und dürfen in einer Überblicksschau nicht fehlen, auch wenn sie ortsgebunden sind. Zu diesem Zweck haben die SKD sie in der Kirche San Giovanni Evangelista sowie im Dom Santa Maria Assunta mithilfe einer Drohne umfassend fotografisch neu erfasst. Die Bilder konnten zu einem digitalen 3D-Modell zusammengesetzt werden, welches sich als Projektion in der Ausstellung findet. So erlebt das Publikum auf spektakuläre Weise die Kuppel-Fresken so nah wie nie zuvor.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Abb/Foto.: 1) Correggio, Madonna des heiligen Georg, um 1530 (© Gemäldegalerie Alte Meister, SKD, Foto: Jürgen Lösel), 2) Drohnenaufnahme: Correggio, Kuppelfresko Maria Himmelfahrt, Kathedrale Santa Maria Assunta Parma 1530-1534 (© Gemäldegalerie Alte Meister, SKD, Foto: Jacob Franke)
Mit NIGHT präsentiert die Neue Nationalgalerie die erste große Einzelausstellung des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan in Deutschland. Die Ausstellung findet im Rahmen des Preis der Nationalgalerie 2026 statt, für den Maurizio Cattelan von einer internationalen Jury ausgewählt wurde. Sie vereint wichtige historische Werke Cattelans und neue Arbeiten in dem ikonischen Mies van der Rohe-Gebäude.
Seit den frühen 1990er-Jahren zählt Maurizio Cattelan (*1960 in Padua) zu den prägenden Stimmen der internationalen Gegenwartskunst. Seine Arbeiten greifen vertraute Bilder auf, die tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind, und verschieben deren Bedeutung durch minimale, oft irritierende Eingriffe. Dabei widmet sich Cattelan Themen, die gesellschaftlich, historisch oder emotional besonders aufgeladen sind: Religion, Kindheit, Autorität und generationsübergreifende kollektive Traumata. Mit einer Bildsprache, die zwischen Ironie, Provokation, Überzeichnung und formaler Reduktion oszilliert, hinterfragt er etablierte Narrative und eröffnet neue Perspektiven auf Erinnerung, Glauben und gesellschaftliche Machtstrukturen. Mit NIGHT kehrt Maurizio Cattelan nach Berlin zurück – zwanzig Jahre nachdem er die 4. Berlin Biennale mitkuratierte.

Die Ausstellung vereint Schlüsselwerke wie Him (2001), Novecento (1997), La Rivoluzione Siamo Noi (2000) und das von Günter Grass’ Die Blechtrommel inspirierte Untitled (2003) mit neuen Arbeiten. Gemeinsam verhandeln sie zentrale Motive in Cattelans Schaffen: die fragile Grenze zwischen Unschuld und Gewalt, die Konstruktion von Identität sowie die fortwährende Präsenz historischer Erinnerung.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine eigens für die Neue Nationalgalerie entwickelte ortsspezifische Installation. Mit dieser neuen Auftragsarbeit greift Cattelan behutsam in die räumliche Ordnung des Hauses ein, verändert so die Art und Weise, wie das Gebäude genutzt und erlebt wird, und eröffnet neue Formen der Begegnung. Vertraute Ausstellungsformen treten zugunsten einer Präsentation zurück, die von Aufmerksamkeit, Reflexion und gemeinsamer Erfahrung geprägt ist. Dadurch verschieben sich die Beziehungen zwischen Werk, Publikum und Architektur.
Die von Mies van der Rohe entworfene Neue Nationalgalerie in Berlin bildet hierfür einen besonderen Resonanzraum. Ihre ikonische Architektur wird nicht nur zum Ausstellungsort, sondern selbst zum aktiven Bestandteil der Inszenierung und prägt maßgeblich die Wahrnehmung und Erfahrung der gezeigten Arbeiten.
In Berlin präsentiert, entfaltet sich NIGHT in einem deutschen Kontext, der von vielschichtigen historischen Erfahrungen und fortwährenden Prozessen des Erinnerns geprägt ist. Während gesellschaftliche Narrative über Generationen hinweg immer wieder neu befragt werden, tritt Cattelans Werk in ein Spannungsfeld ein, in dem Bilder, Symbole und Formen der Repräsentation weiterhin aktiv verhandelt werden.

MAURIZIO CATTELAN. NIGHT wird kuratiert von Lisa Botti, Kuratorin an der Neuen Nationalgalerie, mit Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, in enger Zusammenarbeit mit Maurizio Cattelan.
Der Preis der Nationalgalerie, im Jahr 2000 von den FREUNDEN der Nationalgalerie initiiert, hat sich in den vergangenen 25 Jahren als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Deutschland etabliert und würdigt Künstler*innen, die die nationale und internationale Kunstlandschaft nachhaltig prägen. 2026 tritt der Preis der Nationalgalerie mit dem Umzug in die Neue Nationalgalerie in eine neue Phase ein und bietet eine*r Künstler*in die einmalige Gelegenheit, eine fokussierte und ambitionierte Ausstellung in der ikonischen Glashalle zu realisieren. Das Format spiegelt den Anspruch der Nationalgalerie wider, bedeutende Kunst nach Berlin zu bringen.
Quelle: Neue Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Fotos: 1), 3) Maurizio Cattelan, 2026 (© Neue Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Ivan Erofeev), 2) Maurizio Cattelan, Him, 2001 (Attilio Maranzano)
Informationen: www.smb.museum
Max Peiffer Watenphul. Maler des Bauhauses
Die Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea präsentiert die Ausstellung „Max Peiffer Watenphul. Maler des Bauhauses“, kuratiert von Gregor H. Lersch. Sie widmet sich einer zentralen, bislang jedoch vergleichsweise wenig erforschten Persönlichkeit der europäischen Kunst des 20. Jahrhunderts.
Max Peiffer Watenphul (Weferlingen, 1896 – Rom, 1976), der zwischen 1919 und 1922 am Bauhaus in Weimar ausgebildet wurde, entwickelte innerhalb der Avantgarde einen eigenständigen künstlerischen Weg, wobei die Malerei stets sein wichtigstes Arbeits- und Forschungsfeld blieb. Im Dialog mit Künstlern wie Paul Klee, Oskar Schlemmer und Johannes Itten spiegelt sein Werk eine persönliche und figurative Interpretation der Bauhaus-Erfahrung wider, die von einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Farbe, Komposition und Landschaft geprägt ist.
Anhand von rund 80 Werken zeichnet die Ausstellung die gesamte Entwicklung seines Schaffens nach und verdeutlicht sowohl die Geschlossenheit als auch die Wandlung seiner Bildsprache: von den frühen Arbeiten und der Ausbildung am Bauhaus über die Landschaften und Stillleben, die während seiner Aufenthalte in Italien entstanden, bis hin zur venezianischen Schaffensphase nach dem Zweiten Weltkrieg, in der seine Malerei ihre volle Ausdruckskraft erreicht. Gemälde, Aquarelle, Fotografien, Briefe und Archivmaterialien vermitteln die Komplexität seiner künstlerischen Forschung sowie das Netzwerk künstlerischer Beziehungen, das seine Laufbahn prägte.
Die Ausstellung ist auf fünf Räume verteilt und folgt einer chronologischen und thematischen Struktur, die die wichtigsten Bereiche seines Schaffens beleuchtet: seine Ausbildung, das Bauhaus und die deutsche Avantgarde, die Fotografie, die Malerei der Nachkriegszeit sowie den venezianischen Zyklus. Eine Auswahl von Werken von Künstlern wie Otto Dix, Alexej von Jawlensky, Paul Klee und Oskar Schlemmer, die aus der eigenen Sammlung des Künstlers stammen, trägt dazu bei, den kulturellen Kontext und die künstlerischen Dialoge zu veranschaulichen, die sein Werk beeinflussten.
Die Ausstellung wird von der Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea und der Fondazione Max Peiffer Watenphul ETS organisiert, in Zusammenarbeit mit dem Museo Casa di Goethe und mit Unterstützung des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung in Berlin. Sie steht unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland.
Quelle: Galleria Nazionale D‘Arte
Abb.: Max Peiffer Watenphul: Palazzo Donà Giovanelli, 1948, Öl auf Karton (Stiftung Max Peiffer Watenphul)
NEWTON / GOETHE / GALILEO
Das Museum Casa di Goethe in Rom zeigt vom 30.4. bis 4.10.2026 eine Einzelausstellung des Konzeptkünstlers Mischa Kuball. In zwei Werkkomplexen setzt sich der Künstler mit zwei bedeutenden Ereignissen der Wissenschaftsgeschichte auseinander: Eine eigens für die Casa di Goethe neu entwickelte Arbeit stellt visuell die gegensätzlichen Auffassungen von Johann Wolfgang von Goethe und Isaac Newton zur Farbenlehre und Lichtbrechung in einem offenen, zeitgenössischen Dialog gegenüber. Die Installation five suns–after Galileo, thematisiert Galileo Galileis Betrachtungen der Sonnenflecken, die im frühen 17. Jahrhundert zum Konflikt mit der katholischen Kirche führten.
Mischa Kuball (*1959) arbeitet seit über drei Jahrzehnten vornehmlich mit dem Medium Licht und greift in seiner künstlerischen Praxis soziale und politische Themen auf; immer wieder beziehen sich seine Arbeiten auch auf wissenschaftliche Fragestellungen, etwa Neurowissenschaften oder die Kunsttheorie von Aby Warburg. Öffentliche wie private Räume werden dabei zu Plattformen für den Austausch zwischen Publikum, Künstler und Werk. Die Präsentation in Rom wird kuratiert von Gregor H. Lersch, dem Leiter der Casa di Goethe.
Die eigens für die Ausstellung entstandene Installation Newton/Goethe (luce nera) bildet den Auftakt. Hier wird die historische Diskussion um Lichtbrechung und Farbentheorie raumgreifend erfahrbar. Goethes intensive Beschäftigung mit Licht und Farbe fand ihren Niederschlag in der 1810 veröffentlichten Schrift „Zur Farbenlehre“. Darin widersprach er ausdrücklich Newtons physikalischem Modell, nach dem Farbe durch die Zerlegung weißen Lichts in Spektralfarben entsteht. Während Newton Farbe als objektive Eigenschaft des Lichts verstand, rückte Goethe die menschliche Wahrnehmung in den Mittelpunkt: Farben entstehen für ihn im Übergang von Licht und Finsternis und sind untrennbar mit dem sehenden Subjekt verbunden. Sein Ansatz war ganzheitlich angelegt und er verstand Farbe als Erfahrungsphänomen. Obwohl seine Theorie aus naturwissenschaftlicher Sicht umstritten blieb, entfaltete sie eine nachhaltige Wirkung auf Kunst, Wahrnehmungstheorie und Ästhetik und prägte das Denken zahlreicher Künstlerinnen und Künstler bis heute.
Mischa Kuball greift den historischen Diskurs in einer raumgreifenden Installation auf, in der Goethes und Newtons Vorstellungen von Lichtbrechung in einer Projektion auf einen rotierenden Körper miteinander verschränkt werden. Durch Bewegung, Überlagerung und kontinuierliche Veränderung entstehen instabile Farbkonstellationen, die sich dem eindeutigen Zugriff entziehen. Farbe erscheint hier nicht als festes Resultat, sondern als Prozess, der von Lichtquelle, Raum, Zeit und Perspektive abhängt. Der Betrachter wird Teil eines Wahrnehmungsgeschehens, das zwischen naturwissenschaftlicher Analyse und subjektiver Erfahrung oszilliert und damit zentrale Fragen von Erkenntnis und Sichtbarkeit verhandelt.
In der Installation five suns – after Galileo wird im zweiten Teil der Ausstellung Licht auf fünf rotierende Gläser unterschiedlicher Farbe projiziert. Galileo beobachtete die sich bewegenden und verändernden Sonnenflecken und hielt sie in einer Reihe von Bildern fest. Ohne genau zu wissen, was diese Sonnenflecken genau bedeuteten, sah Galileo in ihnen eine Bestätigung der kopernikanischen Weltanschauung im Gegensatz zu den Dogmen der damaligen Kirche: Die Erde ist keine Scheibe, sondern eine Kugel, sie ist nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern einer von mehreren Planeten, die um die Sonne kreisen. In Fortführung der galileischen Intuition präsentiert Kuball mit seiner Installation seine eigene Vorstellung von visuellem Wissen und Denken. Galileo etablierte eine neue Form des Sehens: nicht das autorisierte Sehen, sondern das ‚instrumentell erweiterte, individuelle, überprüfbare Sehen‘. Dabei wird deutlich, dass Sichtbarkeit nicht neutral, sondern immer in Machtverhältnisse eingebettet ist. Zudem schlägt der Konflikt Galileos mit der katholischen Kirche einen inhaltlichen Bogen in die Papststadt Rom.
five suns – after Galileo wird als Leihgabe der Monika Schnetkamp Collection Düsseldorf präsentiert. Monika Schnetkamp, Unternehmerin, Gründerin und Stifterin der Kunstinstitution KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION, erhielt 2023 die Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kulturinstitute e. V. (ASKI), dem Trägerverein der Casa di Goethe.
Eine Kooperation zwischen der Casa di Goethe, Rom und KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION, Düsseldorf.
Informationen: casadigoethe.it
Quelle/Abb.: Casa di Goethe
„Scenario for a Crystal“ + „Echoes of Athanor“
Das Italienische Kulturinstitut Köln ist Teil von „Sigmar Polke. Athanor NOW“. Das von der Anna Polke-Stiftung initiierte internationale Forschungs- und Vermittlungsprojekt nimmt das Jubiläum von Sigmar Polkes „Athanor“ Installation bei der 42. Venedig Biennale 1986 zum Anlass, diesen mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten Werkkomplex aus interdisziplinärer Perspektive neu zu befragen.
Das italinische Kulturinstitut präsentiert – ganz im Sinne des damaligen Biennale-Mottos „Arte e Scienza“– die Ausstellung „Scenario for a Crystal“ von Stefanie Pluta und die Soundarbeit „Echoes of Athanor“ von Francesca Valentini und Fabrizio Saiu, im Dialog mit Archivalien und Publikationen der Anna Polke-Stiftung, die die Bedeutung Italiens für den Kölner Künstler Sigmar Polke vor Augen führen.
Kuratiert von: Elsa Wellmann-Gilcher mit Kathrin Barutzki
Idee/Koordination: Elsa Wellmann-Gilcher
Stefanie Pluta, „Scenario for a Crystal“
Naturbeobachtung bildet den Ausgangspunkt für Stefanie Plutas Arbeit „Scenario for a Crystal“. Die Kölner Künstlerin greift dabei Sigmar Polkes Interesse an Mineralien, Naturprozessen und den Wechselwirkungen zwischen natürlichem Material, künstlerischer Transformation und symbolischer Bedeutungsaufladung auf, das sich in der „Athanor“ Installation unter anderem durch die Präsentation eines Quarzkristalls und eines Meteoriten manifestierte. Das Zusammenwirken von Stofflichkeit, wissenschaftlicher Neugier und poetischer Bildsprache charakterisiert auch Plutas Werk. In „Scenario for a Crystal“ setzt sich die Künstlerin kritisch mit der Geschichte des Indergand-Kristalls auseinander, eines 1946 unweit des Rhonegletschers geborgenen Rauchquarzes. Dabei greift sie auf die Recherchen ihres dreimonatigen Atelierstipendiums in den Schweizer Zentralalpen 2014 zurück, in dem sie sich Fragen nach Materialität, Erscheinung und Textur ebenso widmete wie nach symbolischer Bedeutung, geografischer Verortung und musealer Inszenierung.
Plutas Arbeit verbindet fragmentarische Naturfotografien, maßstabsgerechte Zeichnungen und modellhafte Vitrinen zu einer topografischen Annäherung an den abwesenden Protagonisten – den Kristall. „Scenario for a Crystal“ untersucht die komplexe Beziehung des Menschen zu diesen Naturobjekten – zwischen Bewunderung, Aneignung und musealer (Re-)Präsentation.
„Echoes of Athanor“
"Echoes of Athanor“ verbindet künstlerisches Schaffen und kunsthistorische Forschung: In einer erstmaligen Zusammenarbeit entwickeln die Kunsthistorikerin Francesca Valentini und Klangkünstler Fabrizio Saiu ein Klangerlebnis, das historische Erzählungen, ekphrastische Beschreibungen, kritische Reflexionen und die Klanglandschaft Venedigs miteinander verwebt. Das ortsspezifische Hörstück beschwört die Atmosphäre und den konzeptuellen Rahmen von Sigmar Polkes „Athanor“-Installation bei der Venedig-Biennale 1986 herauf und führt die Zuhörenden durch Polkes künstlerisches Vermächtnis, die problematische Genese und Geschichte des Deutschen Pavillons, einer monumentalen NS-Architektur, und den übergeordneten Kontext der zweijährlichen, internationalen Kunstausstellung. Venedig selbst steht ebenso im Mittelpunkt des Klangerlebnisses, das die Lagunenstadt als einzigartiges, fragiles und sich ständig weiterentwickelndes Ökosystem reflektiert.
„Echoes of Athanor“ wird am 10.07.26 in Form eines Sonic Walks erstmals in Deutschland präsentiert, nachdem es im Mai in Venedig zur Vorführung kam, und findet im Anschluss Eingang in die Ausstellung.
Informationen: iiccolonia.esteri.it
La Biennale Arte 2026: „In Minor Keys“
Die 61. Internationale Kunstausstellung der Biennale von Venedig findet vom 9. Mai bis 22. November 2026 in den Giardini, dem Arsenale und weiteren Orten in Venedig statt.
Die Ausstellung trägt den Titel „In Minor Keys“ und wurde von der Kuratorin Koyo Kouoh konzipiert. Nach ihrem überraschenden Tod im Mai 2025 entschied die Biennale, ihr bereits weitgehend ausgearbeitetes Projekt vollständig umzusetzen. Kouoh hatte das kuratorische Konzept, die Künstlerauswahl, die Gestaltung und die inhaltliche Ausrichtung bereits festgelegt.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Themen wie Gemeinschaft, Spiritualität, Erinnerung, Fürsorge, Lernen und kollektive Erfahrung. Die Ausstellung versteht sich weniger als klassische thematische Schau, sondern als ein Netzwerk von Beziehungen, Begegnungen und gemeinsamen Erfahrungen.
Rund 110 Künstlerinnen, Künstler und Kollektive aus verschiedenen Regionen der Welt nehmen teil. Die Auswahl basiert auf inhaltlichen Verbindungen und Resonanzen zwischen unterschiedlichen künstlerischen Praktiken.
Zu den zentralen Motiven gehören:
- „Shrines“ (Schreine): Würdigungen der Künstler Issa Samb und Beverly Buchanan.
- Prozessionen: Gemeinschaftliche und performative Formen des Zusammenkommens.
- „Schools“: Künstlerisch-soziale Lernorte und alternative Bildungsmodelle.
- Ruhe und Kontemplation: Räume für Erholung, Wahrnehmung und Reflexion.
Literarische Inspirationen stammen unter anderem von Toni Morrison und Gabriel García Márquez.
Das Ausstellungsdesign wurde vom südafrikanischen Büro Wolff Architects entwickelt und legt großen Wert auf sinnliche Raumerfahrungen und Übergänge zwischen den Ausstellungsbereichen.
Insgesamt beteiligen sich 100 nationale Pavillons. Erstmals vertreten sind Guinea, Äquatorialguinea, Nauru, Katar, Sierra Leone, Somalia und Vietnam. El Salvador nimmt erstmals mit einem eigenen Pavillon teil.
Darüber hinaus gibt es 31 Collateral Events sowie mehrere Sonderprojekte in Venedig und Mestre. Ein umfangreiches Performance-Programm stellt den Körper als Ort von Erinnerung, Wissen und Heilung in den Mittelpunkt.
Die Biennale setzt ihre Nachhaltigkeitsstrategie fort und verfolgt das Ziel, den CO₂-Ausstoß ihrer Veranstaltungen weiter zu reduzieren. Maßnahmen umfassen unter anderem erneuerbare Energien, Wiederverwendung von Materialien, nachhaltige Mobilität und regionale Produkte.
Quelle/Abb.: La Biennale di Venezia
Goethe spielt in Italien.
Eine Ausstellung, inspiriert von der Italienreise des bedeutenden Dichters Johann Wolfgang von Goethe – auf eine popkulturelle Art neu interpretiert. Entlang seiner Route entsteht eine zeitgenössisch visuelle Erzählung, die Literatur, Orte und Fußballkultur miteinander verbindet. Von Bozen über Rom bis Neapel und nach Sizilien: Jede Station bringt Goethes Blick auf Italien mit der emotionalen und kulturellen Identität des lokalen Fußballs in einen Dialog.
So entsteht eine narrative Kartografie, in der sich literarische und sportliche Geografien überlagern. Die Ausstellung wird während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gezeigt und versteht sich zugleich als Hommage an den Fußball als kulturelles und erzählerisches Phänomen.
Ein Projekt von Mo’ Better Football, einem italienischen Kulturkollektiv, das Sport und Narration miteinander verbindet.
Die Vernissage findet am 10. Juni im Goethe Institut Freiburg statt. Freuen Sie sich auf einen besonderen Abend und kommen Sie im Anschluss bei einem Getränk mit den Künstlern selbst ins Gespräch.
Die Ausstellung ist zugänglich während der Öffnungszeiten des Goethe-Instituts Freiburg vom 10. Juni bis zum 17. Juli.
Vernissage: 10. Juni 2026 - 19:00 Uhr
Informationen: www.goethe.de