Zauberhaftes Capri. Ein Paradies für Künstler

Frühe Bedeutung erlangte die Insel Capri im Golf von Neapel als Regierungssitz des römischen Kaisers Tiberius 26 n. Chr. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er überwiegend dort. Einfälle der Sarazenen machten später den Bau einer Stadtmauer nötig. Danach wurde es um Capri Jahrhunderte lang ruhig, denn die »gefährliche Felseninsel« war nur mühsam zu erreichen. Bis ins frühe 19. Jahrhundert fuhren außer Italienern nur wenige Ausländer hinüber.
Erst die Reiseberichte deutscher Literaten wie Karl Philipp Moritz oder August Kopisch, der mit seinem Kollegen Ernst Fries 1826 die Blaue Grotte wiederentdeckt hatte, entfachten bei Künstlern und Literaten den Wunsch dieses Wunder zu bestaunen. Aber auch Musiker und Philosophen verfielen in der Folge dem Zauber der Insel.

Besonders ab 1830 begeisterten sich Generationen von Malern für die Schönheit der spektakulären Landschaft aber auch der Bewohnerinnen der Insel. »Die Einwohner von Capri zeichnen sich durch feine Formen aus […]. Die Malercolonie, die beständig hier ist (manche sind jahrelang da), wird nicht minder durch die Schönheit des Menschenschlags wie durch die Natur angezogen« schwärmte 1867 der Kunsthistoriker Carl Justi. Die Maler und ihre Bilder machten die Insel schnell weithin bekannt und es entwickelte sich ein reger Fremdenverkehr, der sich besonders auf deutschsprachige Gäste einrichtete. So eröffnete der Notar Giuseppe Pagano, dessen Haus Fremden schon seit 1818 offen stand, 1857 das »Hotel Pagano«, das seine Zimmerkapazitäten rasch erweitern musste. In unmittelbarer Nähe lag seit Ende der 1880er-Jahre die »Birreria di Monaco« (Münchner Bierschenke), die 1889 den Namen »Zum Kater Hiddigeigei« erhielt. Dort gab es nicht nur Pschorr-Bier und eine große Weinauswahl, sondern auch deutsche Zeitungen und eine permanente Kunstausstellung.

Die Gemäldegalerie Dachau zeigt rund 90 Gemälde sowie zahlreiche Graphiken deutscher und italienischer Maler aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert; darunter Arbeiten von Ludwig Dill und Arthur Langhammer, die sich um 1880 auf Capri aufhielten und später eine wichtige Rolle in der Künstlerkolonie Dachau spielten.

Zweite Station der Ausstellung wird das Museum Kronberger Malerkolonie im Taunus sein (ab April 2023).

Saluti da Capri! Eine Insel zwischen Idylle und Tourismus

Seit die Wiederentdeckung der Blauen Grotte im Jahr 1826 den Tourismus auf die im Golf von Neapel gelegene Insel Capri entfachte, nahm dieser immer mehr zu. Heute zählt die Mittelmeerinsel zu den beliebtesten Ferienzielen Italiens und wird im Sommer von Besuchern aus aller Welt geradezu überrannt. Zu Spitzenzeiten kommen vom Festland täglich viele tausend Touristen herüber, doch nach Abfahrt der Tagesbesucher findet man durchaus noch stille Orte und in den Wintermonaten sind die Bewohner weitgehend unter sich. Die Ausstellung zeigt die verschiedenen Gesichter der Insel und lässt auch einen Blick hinter die Kulissen des Tourismus zu.

Raffaela Mariniello (*1961), die weit über Italien hinaus bekannte Fotografin aus Neapel, setzt sich in ihrer Serie Souvenirs d’Italie (2006–2011) mit den modernen Eindringlingen in die historischen Zentren Italiens auseinander, die als Attraktionen mit den Altertümern um Aufmerksamkeit wetteifern. Auch die Skulptur eines kampanischen Büffels im Hafen von Capri Blue Grotto (2009) zählt als zeitgenössische Kunst zu den Indikatoren der neuen Zeit. Neun Aufnahmen aus ihrer Serie Capri Teorema (2016) zeigen uns Orte auf der Insel, an denen Inselbewohner und Touristen ihre Spuren hinterlassen haben. Sie versteht es diese wenig präsentablen Plätzen, die den Touristen sonst verborgen bleiben, in stimmungsvolle Orte zu verwandeln.

Der auf Capri beheimatete Fotograf Enrico Desiderio (*1965) hat einen vertrauten Blick auf die Insel. Seine Aufnahmen erzählen von Capri zu allen Jahreszeiten, nicht nur im Sommer. Sie zeigen die Inselbewohner, die vom Fischfang leben, aber auch die Touristen. Seine Schwarzweißfotografien fangen daneben auch die spektakulären Natureindrücke ein, bei stürmischer See und klarer Sicht auf die Felsen und die Amalfiküste.

Klaus Frahm (*1953) ist vor allem als Architekturfotograf bekannt. Er ist mit neun Aufnahmen aus seiner Serie La Casa vertreten, die er 1999 von der Villa des italienischen Schriftstellers Curzio Malaparte (1898–1957) für die Zeitschrift Architektur & Wohnen machte. Nach der Restaurierung des Hauses konnte er die außergewöhnliche Architektur auf einem Felsen an der Ostküste von Capri mit ihrem spektakulären Ausblicken aufnehmen.

Gianluca Federico (*1972), der aus einer seit vielen Generationen auf Capri beheimateten Familie stammt, ist es ein Anliegen, mit seinen Arbeiten die Verbindung zum ursprünglichen Leben auf der Insel wieder herzustellen: zum Meer, zur Landwirtschaft und zum traditionellen Kunsthandwerk. Seine Skulpturen aus Holz, Keramik und Metall stehen für die Flora und Fauna Capris und tragen die Seele der Insel in sich.

Bruno Flavio (*1968) schließlich präsentiert mit Eine Woche auf Capri (2022) eine Hörcollage, für die er an verschiedenen Orten auf Capri typische Stimmen und Geräusche aufgenommen und zu einem akustischen Porträt der Insel zusammengefügt hat.

Remember Venice! Bernardo Bellotto zeichnet

2022 jährt sich der Geburtstag von Bernardo Bellotto (1722-1780) zum 300sten Mal. Bernardo Michiel Bellotto trat um 1735 in die Werkstatt seines Onkels und Lehrers Giovanni Antonio Canal (1697-1768), genannt Canaletto, ein. Hier entwickelte er sich zu einem der bedeutendsten Vedutenmaler des 18. Jahrhunderts.  Berühmt wurde Bellotto mit Stadtansichten von Venedig, Rom, Dresden, München, Wien und Warschau, in denen er das Erbe seines Onkels Canaletto fortführte.

Im Laufe seines Lebens dürfte Bellotto einige Tausend Zeichnungen geschaffen haben. Erhalten haben sich davon jedoch nur etwa 140 Arbeiten. Knapp die Hälfte dieser Zeichnungen befindet sich heute in der Graphischen Sammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt. Die Darmstädter Sammlung ist damit neben dem Warschauer Königsschloss die größte Bellotto-Sammlung weltweit.

Anlässlich seines 300sten Geburtstages feiert das Hessische Landesmuseum Darmstadt den Künstler mit der großen Ausstellung »Remember Venice!«. Das Konvolut der Bellotto-Zeichnungen befindet sich seit 1829 im Bestand des HLMD. Es kam gemeinsam mit vier Zeichnungen von Bellottos Onkel und Lehrmeister Canal in den Museumsbestand. Das Besondere ist, alle Blätter stammen aus ein und derselben Quelle, nämlich dem Nachlass des Künstlers selbst. Bislang wurde dieser Bestand nur ein einziges Mal nämlich 1981 in Darmstadt ausgestellt. 40 Jahre danach verspricht die erneute Präsentation wesentliche neue Erkenntnisse. So werden wichtige kunsthistorische Forschungsergebnisse sowie neue papierrestauratorische Untersuchungen einfließen, die im Jahr 1981 noch nicht vorlagen.

Der Schwerpunkt der Darmstädter Zeichnungen liegt auf Bellottos italienischen Schaffensjahren zwischen 1735 und 1746, in denen sich die Entwicklung des jungen Künstlers zum eigenständigen Vedutenmaler vollzieht. Die ersten Blätter zeigen den Künstler noch ganz unter dem Einfluss seines Onkels Canal, während späte Blätter schon eine große Eigenständigkeit erkennen lassen, die Bellotto in Auseinandersetzung mit seinem berühmten Lehrer entwickelt. Die letzten Zeichnungen wiederum lassen dann schon das ganze Bildkonzept erkennen.

In der Darmstädter Ausstellung werden Bellottos Zeichnungen aus seiner Zeit in Italien durch einen Ausblick auf Bellottos Dresdner Schaffensperiode ergänzt. Denn dank einer Schenkung aus dem Jahr 2020 können wir mit über 30 Radierungen seine Veduten von Dresden, Pirna und Königstein dokumentieren.

Die Darmstädter Ausstellung wird die für Dresden und Warschau geplante Retrospektive zu Bernardo Bellotto inhaltlich ergänzen. Denn anders als die Gemäldebestände in Dresden oder Warschau richten die Darmstädter Zeichnungsbestände ihren Fokus auf Italien mit den Städten Venedig, Rom, Padua und Verona. Anhand ihrer hochempfindlichen Zeichnungen zeigt die Darmstädter Ausstellung die künstlerische Entwicklung Bernardo Bellottos und führt die große thematische Vielfalt und zeichnerischer Virtuosität dieses Meisters der italienischen Vedute vor Augen.

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Abb.: Gestaltung Herburg Weiland, München

We Love Art. Vision and Creativity made in Italy

We Love Art. Vision and Creativity made in Italy präsentiert neue Werke von acht aufstrebenden italienischen Künstler*innen, die von den Kuratoren Ludovico Pratesi und Marco Bassan ausgewählt worden sind: Benni Bosetto, Giulia Cenci, Tomaso De Luca, Lulù Nuti, Amedeo Polazzo, Alice Ronchi, Giulio Saverio Rossi, Namsal Siedlecki.

Im Rahmen des Ausstellungsprojekts wurden sie mit acht Unternehmen, an denen die Fondazione CDP beteiligt ist, zusammengebracht, um eine neue Arbeit zu realisieren: Open Fiber, Terna, Eni, Webuild, CDP Immobiliare, Snam, Tim und Ansaldo Energia.

Das Projekt knüpft damit ganz bewusst an die italienische Tradition eines Dialogs zwischen künstlerischer Kreativität und industrieller Produktion an, wie er in den 1950er Jahren von der Zeitschrift Civilisation of Machines und in den 1960er Jahren in der Ausstellungen "Skulpturen in der Stadt. Spoleto 1962" initiiert worden ist.

Berlin ist die letzte Station einer umfangreichen Reise, welche die Ausstellung bereits nach Seoul, Chongqing, New York, Mexiko-Stadt und Kairo geführt hat und mit Unterstützung der jeweiligen Botschaften, Konsulate und Italienischen Kulturinstitute der Städte realisiert wurde. Am Ende der internationalen Tournee werden die acht Kunstwerke in die Sammlung der Fondazione Cassa Depositi e Prestiti in Rom aufgenommen.

Ein Projekt des Italienischen Kulturinstituts Berlin (IIC) in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit (MAECI), der Stiftung Cassa Depositi e Prestiti (CDP) und CLB Berlin.

Foto: Giulia Cenci - Progresso scorsoio

Dieter Nuhr – Circondato di Lontano / Von Fernen umgeben

Parallel zur 59. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia - präsentiert die Biblioteca Nazionale Marciana in ihren geschichtsträchtigen Sale Monumentali, direkt am Markusplatz in Venedig, Werke des deutschen Künstlers Dieter Nuhr.

In einer Einzelausstellung mit dem Titel „Dieter Nuhr - Circondato di Lontano“ (zu Deutsch: Von Fernen umgeben), die von der Brost Stiftung gefördert wird, werden Nuhrs Arbeiten in einen Dialog mit Wand- und Deckengemälden von Tizian, Tintoretto und Veronese gesetzt.

Der 1960 in Wesel/Deutschland geborene Künstler Dieter Nuhr beschäftigt sich in seinem künstlerischen Werk mit den Themen Fremde und Vertrautheit, Ferne und Nähe. Während er in den 1990er-Jahren noch mit Pinsel und Ölfarbe arbeitete und später zur Fotografie wechselte, fügt er heute malerische und fotografische Elemente in seinen Bildwerken mit den Mitteln moderner Technik zusammen. Dabei programmiert er digitale Pinsel, die in mehreren Schritten und Farbschichten die ursprüngliche Fotografie, die in den meisten Fällen eine Landschafts- oder Architekturaufnahme zeigt, überlagern und teilweise auch überdecken.

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Nuhrs Bilder wachsen aus malerischen Strukturen heraus und verlieren, obwohl sie zu hundert Prozent aus Fotodaten bestehen, den Charakter einer bloßen Abbildung. Das Fotografierte verliert sich, löst sich in weiten Teilen auf, um dann in einem malerischen Prozess neu konstruiert zu werden. Damit bringt er das mit zeitlichem und räumlichem Abstand zunehmend Weltentrückte in der Erinnerung zum Ausdruck. Am Ende entstehen malerisch wirkende Kompositionen, die mit klassischer Fotografie nur noch wenig zu tun haben. Nuhrs Bilder sind Werke, die eher Gemälden ähneln, entstanden mit den handwerklichen Mitteln des 21. Jahrhunderts. Eben das macht sie so faszinierend.

Die Motive findet der Künstler auf seinen Reisen durch die Welt. In fast hundert Ländern ist er schon gewesen und hat ihre Landschaften, Bauwerke und auch Menschen mit der Linse eingefangen. In der eindrucksvollen Einzelausstellung, die von Manfred Möller kuratiert und von der Association for Art in Public Dirk Geuer organisiert wird, sind nun teils großformatige Bilder mit Motiven aus den Ländern Äthiopien, Brasilien, Indien, Mexiko, Nepal, Peru und Sri Lanka einer Reihe von Aufnahmen aus seinem Heimatland Deutschland gegenübergestellt. Dabei spielt das Ruhrgebiet, wo Nuhr geboren und aufgewachsen ist, eine übergeordnete Rolle. Hier findet sich die für diese Region typische Industriearchitektur in seinen Bildkompositionen wieder.

Dass Dieter Nuhr auch das Handwerk der Zeichenkunst beherrscht, beweisen eindrücklich seine malerisch unterlegten Skizzen, die erstmalig in den Sale Monumentali der Biblioteca Nazionale Marciana ausgestellt werden. Sie wurden eigens für diesen besonderen Ort geschaffen und greifen u.a auch Paolo Veroneses berühmte Wandbilder aus der Marciana, die Platon und Aristoteles zeigen, auf. Damit tritt er in den direkten Dialog mit den Meisterwerken der Renaissance-Kunst, für welche die Prunkräume der Marciana weltbekannt sind. Losgelöst und aus ihren kulturellen Kontexten herausgerissen, wirken seine Figuren, die sowohl kunsthistorische als auch persönliche Bezüge aufweisen, jedoch isoliert und gleichwertig, sind in angedeutete Raum- und Architekturstrukturen eingebettet, die sich jedoch im Nichts verlieren. Wir begegnen Nuhrs skizzierten Figuren wie Fremden, denen wir zufällig auf der Straße begegnen.

Die international angelegte Wanderausstellung, die bis zum 2. Oktober 2022 zu sehen sein wird, reist von Venedig weiter nach Dakar in den Senegal und wird auch an weiteren Stationen Halt machen.

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Über den Künstler

Dieter Nuhr, 1960 in Wesel, Deutschland, geboren, lebt und arbeitet in Düsseldorf, Berlin und auf Ibiza. Er ist als Künstler auf verschiedenen Plattformen tätig. Seit vielen Jahren zählt er zu den erfolgreichsten Satirikern Deutschlands, doch seine Arbeit als bildender Künstler währt noch länger. Von 1981 bis 1987 studierte er Kunst (Malerei) an der Universität Essen, der ehemaligen Folkwangschule. In Venedig werden Bilder aus den Werkgruppen „Landschaftsbilder“ und „Portraitzeichnungen“ ausgestellt.

Über den Veranstaltungsort

Die 1468 gegründete Biblioteca Nazionale Marciana in Venedig zählt zu den wichtigsten und größten Bibliotheken Italiens. Ihr Bestand umfasst bedeutende Sammlungen griechischer, lateinischer und orientalischer Handschriften. Insgesamt beherbergt der Speicher des Wissens über eine Million Objekte, darunter Inkunabeln, Drucke, Landkarten und ca. 13.000 Handschriften. Zu den zahlreichen historischen Schätzen und Kostbarkeiten der Bibliothek gehören u.a. das Testament des berühmten venezianischen Abenteurers und Entdeckers Marco Polo sowie zwei Ausgaben von Homers Ilias aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Zudem glänzt die Bibliothek durch ihre prachtvollen „Monumentalen Säle“ mit Wand- und Deckengemälden der Renaissancekünstler Tizian, Veronese und Tintoretto. Früher ein Ort des Studiums und der Meditation, finden in dem einst von großen Gelehrten, brillanten Strategen und gekrönten Häuptern genutzten Saal, der über das Museo Correr zu erreichen ist, heute Ausstellungen statt.

Informationen

Dieter Nuhr – Circondato di Lontano / Von Fernen umgeben
02. September bis 02. Oktober 2022
Sale Monumentali der Biblioteca Nazionale Marciana
Zugang zur Ausstellung über das Museo Correr
Piazza San Marco n.52 - Ala Napoleonica I - 30124 Venedig

Fotos: 1) Deutschland Ratingen, 2) Nach Paolo Veronese Platon 01, 3) Dieter Nuhr (alle: Rechte by Dieter Nuhr)

"Wo ist Elena Ferrante?“

Ein Schauplatz der Weltliteratur in Fotografien von Ottavio Sellitti

Der Rione Luzzatti, in den 20er bis 60er Jahren erbaut, ist ein an den Hauptbahnhof angrenzender peripherer Stadtteil von Neapel. Er bildet den Schauplatz des vierteiligen Romanzyklus von Elena Ferrante „L’amica geniale“ („Meine geniale Freundin“): der Rione, mit seinem exzessiven Maß an Begierden, an Gewalt und Liebe wird im Werk der Schriftstellerin zum Prüfstand und zum Exempel für die Widersprüchlichkeiten, die die jüngere Geschichte der westlichen Welt durchziehen.

Die 2016 entstandene Reportage bezeugt, was heute von den Träumen der Wirtschaftswunderzeit übriggeblieben ist: die bescheidenen Formen der Häuser, sowohl der neuen als auch der älteren, die immer noch staubigen Straßen, das Leben der Einwohner. Dabei ist die napoletanità des Viertels (die gegenüberliegend am Horizont erscheinenden Silhouetten des Vesuvs und der Hochhäuser des Verwaltungszentrums, die im Wind trocknende Wäsche, der Obstverkäufer mit seinem Lieferwagen) ganz reduziert wahrnehmbar: auch in einer so besonderen Stadt wie Neapel treten genau dieselben Beziehungen, dieselben Widersprüche auf wie an den Peripherien von Paris, Berlin oder Detroit.

Eine Ausstellung des Italienischen Kulturinstituts Berlin. In Magdeburg in Kooperation mit CIMA e.V.

Im Rahmen von:

La dolce vita - italienische Kulturtage in Magdeburg (19. – 21.08.2022)

Nach dem Erfolg des Festivals „La dolce vita“ 2018 und nach der durch die Pandemie bedingten Pause möchte unser Verein CIMA – Centro Italiano di Cultura Sachsen-Anhalt e.V. 2022 erneut mediterranes Flair nach Magdeburg bringen. Dieses Jahr ist das Festival „La dolce vita“ der Stadt Neapel und dem Süden Italiens gewidmet. Die quirlige Stadt am Vesuv ist mit ihrer Vitalität unerschöpfliche Quelle und Inspiration für Kultur in allen Facetten, sei es Theater, Musik oder Kino.
Das Festival wendet sich an Jung und Alt, letztlich an alle, die neugierig auf die italienische Kultur sind.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Vi aspettiamo!

Vernissage/Eröffnung: 18 Uhr (Einlass 17:30 Uhr)

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Tiziano. Dialoghi di Natura e di Amore

Vom 14. Juni bis 18. September 2022 präsentiert die Galleria Borghese "Tizian: Dialoge der Natur und der Liebe", kuratiert von Maria Giovanna Sarti. Die Ausstellung würdigt die Leihgabe der Nymphe und des Hirten - ein autographes Werk des venezianischen Meisters aus der Zeit um 1565, welche das Kunsthistorische Museum Wien im Rahmen eines Programms des kulturellen Austauschs zwischen den beiden Institutionen zur Verfügung gestellt hat.

Das Zusammentreffen zwischen dem Werk aus Wien und den Gemälden Tizians in der Galleria bietet die Gelegenheit, die Werke mit mehreren konstanten Themen im Schaffen des Malers zu verbinden: Die Natur, verstanden als Landschaft, aber auch als Ort menschlichen Handelns; die Liebe in ihren verschiedenen Formen - göttlich, natürlich, ehelich - und die Zeit, die den Lebenszyklus des Menschen bestimmt und regelt und ihn in die Harmonie des Universums einfügt.

Die Natur und die Liebe sind durch eine harmonische Beziehung verbunden, die Teil des Lebenszyklus ist und auf die die amouröse und musikalische Allegorie der Nymphe und des Hirten anspielt, eines der letzten Werke des Meisters, das von einigen als die Summe seiner künstlerischen Bestrebungen angesehen wird.

Die Ausstellung findet ihren natürlichen Rahmen im Saal XX im zweiten Stock des Museums, wo bereits Gemälde von Tizian und anderen Künstlern der venezianischen Schule zu sehen sind. Die derzeitige Anordnung von Heilige und profane Liebe und Venus, die Amor die Augen verbindet - einander gegenüberliegend - legt es nahe, Nymphe und Hirte auf der anderen Achse zu zeigen, gegenüber von Die drei Lebensalter des Menschen an der gegenüberliegenden Wand, die eine Replik von Sassoferrato ist, der im 17. Jahrhundert - höchstwahrscheinlich für die Familie Borghese selbst - ein Gemälde von Tizian kopierte, das sich in Rom befand. Nymphe und Hirte ist das perfekte Pendant zu dem Gemälde an der gegenüberliegenden Wand, da es ebenfalls - allerdings am Ende des Lebens des alten Malers - eine Reflexion über das Vergehen der Zeit ist, die alles verschlingt.

Wie ein Kommentar zu den Themen und dem Stil dieses intensiven Dialogs wirken der Adam und die Eva von Marco Basaiti, zwei pseudo-giorgioneske Sänger, und zwei weitere Tizian-Gemälde, die Geißelung Christi und der Heilige Dominikus, die chronologisch in der Nähe der im Saal ausgestellten späteren Werke des Malers liegen. Die Ausstellung wird durch ein problematisches Gemälde vervollständigt, das früher für einen Prototyp von Veronese gehalten wurde, heute aber als späte Ableitung eines verlorenen tizianischen Modells angesehen wird: die Darstellung von Venus, Amor und einem Satyr, die als Kommentar zu Venus, die Amor die Augen verbindet, gezeigt wird.

Informationen: galleriaborghese.beniculturali.it

Galleria Borghese
Foto: Galleria Borghese

Monica Bonvicini

Die Neue Nationalgalerie widmet der Künstlerin Monica Bonvicini eine umfassende Einzelausstellung in der oberen Halle. Neben einigen ihrer bekanntesten Werken der letzten Jahrzehnte werden neue Produktionen gezeigt, die Bonvicinis Interesse für Feminismus und Architektur widerspiegeln.

Monica Bonvicini (* 1965) beschäftigt sich mit öffentlichen und privaten Räumen, in deren Ästhetik und Architektur sich bestehende Geschlechterverhältnisse und Gesellschaftsordnungen manifestieren. In ihren raumgreifenden, oft provozierenden Arbeiten fokussiert die Künstlerin auf solche Machtstrukturen. Ihr Werk changiert dabei zwischen einer Objektsprache, die dem Kommerziellen entnommenen ist, eigens entwickelten, experimentellen Formen sowie einer an den Minimalismus angelehnten Ästhetik von kühler Eleganz.

Teil der Ausstellung wird auch eine Reihe von Neu-Interpretationen von Hauptwerken bekannter Architekten, Designer und Bildender Künstler darstellen, in denen Bonvicini unterschwellige oder übersehene Strukturen eines männlichen Chauvinismus aufdeckt, die weite Bereiche der Moderne kennzeichnen. Im besonderen Fokus steht dabei der Museumsbau Mies van der Rohes selbst als „Ikone der Moderne“.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie.

Informationen: www.smb.museum

Foto: Neue Nationalgalerie © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Donatello. Erfinder der Renaissance

Donatello ist einer der Begründer der italienischen Renaissance. Seine Werke zeichneten sich durch technische Neuerungen aus und revolutionierten die künstlerische Praxis ihrer Zeit. Im Rahmen einer einmaligen Kooperation der Staatlichen Museen zu Berlin mit der Fondazione Palazzo Strozzi, Florenz, den Musei del Bargello, Florenz, und dem Victoria & Albert Museum, London wird Donatello erstmals eine eigene Ausstellung in Deutschland gewidmet. Mit rund 90 Arbeiten und zahlreichen Hauptwerken, die zuvor noch nie zusammen gezeigt wurden, ergibt sich ein Panorama, das in der Erkenntnis mündet: Die Geschichte Donatellos ist zugleich eine Geschichte der Renaissance.

Donatello (ca. 1386–1466) war ein vielseitiger Neuerer, der – stets offen für technische und künstlerische Entwicklungen – unermüdlich mit Materialien und ästhetischen Ausdrucksmöglichkeiten experimentierte. So setzt er die mathematische Perspektivkonstruktion im Relief ein und verwendet neben Marmor auch Materialien wie Terrakotta und Stuck, um seine Werke zu gestalten und zu reproduzieren. Zahlreiche Meisterwerke zeugen von seiner außergewöhnlichen Produktivität und Vorstellungskraft und gelten als Hauptwerke der italienischen Renaissance.

Einzigartiges internationales Ausstellungsprojekt

Die Staatlichen Museen zu Berlin besitzen neben dem Museo Nazionale del Bargello in Florenz und dem Victoria & Albert Museum in London eine der weltweit größten und vielfältigsten Sammlungen von Werken Donatellos. Gemeinsam mit der Fondazione Palazzo Strozzi haben sich diese Museen zusammengeschlossen, um drei monografische Ausstellungen zum Werk Donatellos zu organisieren. Zuvor noch nie gemeinsam gezeigte Skulpturen und Reliefs aus Marmor, Terrakotta und Bronze machen diese Schauen zu echten „Once-in-a-Lifetime“-Erlebnissen.

Hochkarätige Leihgaben im Dialog mit den Berliner Sammlungen

Neben Werken der Berliner Skulpturensammlung werden in der Wandelhalle der Gemäldegalerie zahlreiche herausragende Leihgaben zu sehen sein, die teilweise noch nie außerhalb Italiens gezeigt wurden – darunter drei bedeutende Bronzen des monumentalen Hauptaltars der Basilica del Santo in Padua sowie die Marmorskulptur des David aus dem Museo Nazionale del Bargello. Diese Werke treten in Dialog mit Gemälden von Zeitgenossen wie Masaccio, Fra Filippo Lippi und Andrea Mantegna sowie Skulpturen, Zeichnungen und Abgüssen aus den Beständen der Antikensammlung, des Kupferstichkabinetts und der Gipsformerei. Damit eröffnet sich für Besucher*innen die einzigartige Chance, Donatellos Erfindungsreichtum zu erleben und zugleich die Vielfalt der Berliner Sammlungen zu entdecken. Parallel werden im Donatello-Saal des Bode-Museums einige jüngst aufwändig restaurierte Werke der Skulpturensammlung aus dem Umfeld des Meisters zu sehen sein.

Die Ausstellung wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und den Kaiser-Friedrich-Museumsverein.

Informationen: www.smb.museum

Abb.: Donatello, Madonna col Bambino (Madonna Pazzi), ca. 1420-1425, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst (Antje Voigt)

Der Untergang des Römischen Reiches

"Ein Weltreich wird von äußeren Feinden erst besiegt, wenn es sich von innen selbst zerstört hat“ (Autor unbekannt)

VDIG_Landesausstellung_Trier_2022

Trier, die älteste Stadt Deutschlands, gilt europaweit als „Zentrum der Antike“ und bietet als Kaiserresidenz der Spätantike mit seinen weltberühmten UNESCO-Welterbestätten den passenden Rahmen für ein europaweit einzigartiges Ausstellungsprojekt: „Der Untergang des Römischen Reiches“.

Vom 25. Juni bis 27. November 2022 sind das Rheinische Landesmuseum, das Museum am Dom und das Stadtmuseum Simeonstift Schauplatz dieser spektakulären Landesausstellung. Die Museen widmen sich zum ersten Mal einer kaum bekannten, aber entscheidenden Epoche des Römischen Imperiums: seinem Untergang.

Sie fügen mit dieser herausragenden Kulturschau der 2007 begonnenen Erfolgsgeschichte der Sonderausstellungen in Rheinland-Pfalz ein neues Kapitel hinzu und widmen sich einer der spannendsten und rätselhaftesten Fragen der Weltgeschichte: Warum ging das Römische Reich unter?

Kein Ort in Mitteleuropa bietet für ein Ausstellungsprojekt dieser Dimmension geeignetere Rahmenbedingungen als Trier, das mit seinem reichen spätantiken Erbe beeindruckt.

16 v. Chr. als „Augusta Treverorum“ gegründet, ist Trier nicht nur die älteste Stadt Deutschlands, sie war auch die größte und bedeutendste römische Kaiserresidenz nördlich der Alpen. Noch heute stellen die Porta Nigra, die Konstantinsbasilika, die Kaiserthermen, das römische Amphitheater und die Barbarathermen ein einzigartiges Ensemble römischer Baukunst dar, das weltweit seines Gleichen sucht. Nirgendwo sonst in Europa lässt sich römische Geschichte authentischer erleben.  Nicht zu Unrecht gilt Trier als zweites Rom und lädt Besucher aus ganz Europa zu einer faszinierenden Reise in die Weltgeschichte ein.

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Mehr als 700 Kunstwerke von 130 nationalen und internationalen Leihgebern machen Trier vom 25.06.2022 bis 27.11.2022 zu einer Schatzkammer auf Zeit. Die Liste der Leihgeber liest sich wie das WHO'S WHO der weltweiten Kunstszene, die nun ihre kostbaren Werke in der Kaiserstadt Trier präsentieren. Aus Adelaide, Amsterdam, Mailand, Belgrad, Berlin, Neapel, Paris, Rom, Sevilla, Stockholm und Wien stammen die kostbaren Leihgaben, die ab dem 25. Juni 2022 Trier in einen Hot-Spot der europäischen Kultur-, Zeit- und Kunstgeschichte verwandeln.

Die zentrale historische Ausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ im Rheinischen Landesmuseum Trier zeichnet mit herausragenden archäologischen Exponaten die bewegten letzten Jahrhunderte des Weltreiches nach. Das Museum am Dom zeigt in „Im Zeichen des Kreuzes – Eine Welt ordnet sich neu“, wie die Kirche das politische Machtvakuum besetzte und so zunehmend weltliche Aufgaben übernahm. Das Stadtmuseum Simeonstift beleuchtet in „Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst“ das Erbe des Imperium Romanum in der Kunst- und Kulturgeschichte.

Informationen: untergang-rom-ausstellung.de

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Fotos/Abb.: 1) Ausschnitt Plakat, 2) Paradehelm von Berkasovo, Šid (Serbien) aus dem 4. Jahrhundert, Museum der Vojvodina, Novi Sad, 3) Elfenbeinrelief mit Reliquienprozession, Domschatz Trier, Foto: A. Münchow, 4) Plakat