Sizilianischer Barock - Formenreichtum als Lebensprinzip

Sizilien ist nicht nur das Land, wo die Zitronen und die Orangen blühen, sondern als zentrale Weltinsel im Mittelmeer auch Schauplatz vieler rivalisierender und sich gegenseitig befruchtender Kulturen seit dem Altertum gewesen. Die sizilianische Kultur hat so im Laufe der Jahrhunderte eine besondere Ausformung erhalten, die innerhalb Italiens einmalig ist.

Eine herausragende Epoche war die Herrschaft der spanischen und neapolitanischen Bourbonen, die vom Beginn der Neuzeit im 16. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts reichte. Diese Zeit des höfischen Absolutismus, die wir Barock nennen, war geprägt von der Durchsetzung der katholischen Reform nach dem Trienter Konzil und der damit einhergehenden Neuausrichtung der Architektursprache und der ganzen Lebenskultur. Der schwere Ätna-Ausbruch von 1669 und das verheerende Erdbeben von 1693 waren die epochalen Naturkatastrophen dieses Barockzeitalters und Anlass, vor allem im Osten und Südosten der Insel dieser neuen Bauweise und mit ihr alle künstlerische Ausdrucksform und Weltanschauung zum Durchbruch zu verhelfen.

Das Außergewöhnliche jeder Sizilienreise sind dabei die überreichen wie verspielten, grotesken wie überschwenglichen und phantastischen wie kunstvollen Baudekore und Ornamente. Ihre starke und bisweilen grelle Ausdrucksform ist Spiegel der prallen Lebensfreude ihrer Schöpfer und aller Menschen auf Sizilien, die ihren Ursprung weit vor dem Barockzeitalter in der antiken Geschichte hat, als die Insel zum großgriechischen Kulturraum gehörte.

Der Vortrag mit Fotos von 2015 bis 2017 will darum die lange Traditionswirkung von bestimmten Formprinzipien und Schmuckweisen aufzeigen und erklären helfen. Nicht zu unterschätzen sind dabei die Mechanismen der Sozialstrukturen und die Faktoren ihres Einflusses auf die Entscheidungsträger einer neuen Baukultur, Adel und Kirche, die viele Hafenstädte und besonders den Ostteil Siziliens gründlich neuformten. Schließlich gilt unser Augenmerk der Künste der Alltagskultur, die diesen sinnenfreudigen Schmuckreichtum zum Lebensprinzip erhob, wie wir etwa in Viscontis Verfilmung des Romans „Il gattopardo“ von Lampedusa sehen und die ihm in der kulinarischen Delikatesse und den Verzierungen der Dolci (Süßwaren) zum Höhepunkt verhalf.

Wettlauf zum Nordpol – Italiens Ambitionen auf die Arktis

Als im Zeitalter der industriellen Revolution der Glaube an die Technik in das alles Machbare stieg, erinnerte man sich der weißen Flecken auf dem Globus. Insbesondere England, Frankreich, Norwegen und Schweden, aber auch Deutschland machte sich Hoffnung, unentdeckte Bodenschätze in der noch keinem Nationalstaat gehörenden Arktis zu entdecken. Aber auch Politiker, Wissenschaftler und nicht zuletzt Abenteurer aus anderen Ländern wie Italien wollten sich an diesem Wettlauf um Ruhm und nicht zuletzt wirtschaftlichen Vorteilen beteiligen. Der erste Italiener, der den Wettlauf zum Nordpol aufnahm, war der Herzog der Abruzzen, Prinz Ludwig Amadeus von Savoyen. Zwar erreichte weder er noch sein Expeditionsmitglied Korvettenkapitän Umberteo Cagni den Pol, aber es war in Italien der Keim zur weiteren Erforschung der Arktis gelegt.

Hier nun reihte sich der Ingenieur und spätere General Umberto Nobile in die Reihe der Nordpolforscher ein, indem er den Versuch unternahm, per Luftschiff den Pol zu kreuzen.

Der Bildervortrag zeigt die Geschichte der italienischen Bemühungen um die Arktis in Bildern der Expeditionen, die unglaublich scheinen und ein wesentlicher Baustein in der Erforschung der arktischen Gebiete ist. Unglaubliche Geschichten ranken sich um Nobile, Amundsen, der bei seiner Rettung das Leben verlor, Mussolini, Lincoln Ellsworth und den sowjetischen Eisbrecher Krassin, den man heute noch im Hafen von St. Petersburg besichtigen kann. Dieses Kapitel der Arktisforschung ist in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geraten.