Aperitivo inkl. Antipasti und Vorstellung des Programmes des 2. Halbjahres.
Das italienische Nationale Tagebucharchiv (Archivio Diaristico Nazionale) in Pieve di Santo Stefano bewahrt seit 1984 Tausende von insgesamt über 10.000 Schriftstücken auf. In diesem außergewöhnlichen Dokumentenbestand haben Umberto Gentiloni und Stefano Palermo im Rahmen einer langwierigen und sorgfältigen Recherche als Erste über siebzig Zeugnisse – darunter Tagebücher und Memoiren – von italienischen Juden ausfindig gemacht, die die Jahre der Verfolgung erlebt hatten und sich zu unterschiedlichen Zeiten und auf unterschiedliche Weise entschlossen hatten, diese zu dokumentieren. Die Analyse dieser Quellen veranlasste die beiden Wissenschaftler, neununddreißig Memoiren auszuwählen und auf dieser außergewöhnlichen Grundlage die Geschichte der Shoah in Italien anhand eines Chors individueller Stimmen in dem Band Dal buio del Novecento. Diari e memorie di ebrei italiani di fronte alla Shoah (Bologna: Il Mulino, 2024) nachzuzeichnen. Diese Rekonstruktion verknüpft individuelle und familiäre Geschichten mit dem Verlauf der Ereignisse in Italien und Europa und vermittelt ein Gespür für den historischen Bruch, der durch die Rassengesetze von 1938, den Krieg und die italienische Shoah verursacht wurde.
Ausgehend von diesem Band wird Serena Di Nepi die Schwerpunkte dieser Forschungsarbeit und ihre Bedeutung für die Geschichte der Juden in Italien vorstellen; Umberto Gentiloni wird über die Geschichte der Shoah in Italien und die untrennbare Verflechtung zwischen der Neudefinition dieser Erinnerung und dem Aufbau der neuen republikanischen Demokratie in der Nachkriegszeit reflektieren; Stefano Palermo wird auf die methodischen und theoretischen Kernpunkte dieser Arbeit im nationalen und internationalen Diskurs eingehen. Giuseppe Veltri wird die Veranstaltung abschließen und die Bedeutung der akademischen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland zu diesen Themen erörtern.
Serena Di Nepi lehrt Neuere Geschichte an der Sapienza-Universität in Rom. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf der Geschichte religiöser Minderheiten in Italien, wobei sie sich insbesondere mit der jüdischen Gemeinschaft und der Geschichte der Sklaverei im Mittelmeerraum befasst.
Umberto Gentiloni lehrt Zeitgeschichte an der Sapienza-Universität in Rom. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, des Kalten Krieges, der Republik Italien, der Beziehungen zwischen Italien und den Vereinigten Staaten sowie der Erinnerungspolitik.
Stefano Palermo lehrt Wirtschaftsgeschichte an der Sapienza-Universität in Rom. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Entwicklungsgeschichte des heutigen Italiens, wobei er sich insbesondere mit regionalen Ungleichgewichten und Modellen staatlicher Maßnahmen zur Überwindung des Nord-Süd-Gefälles, mit der territorialen Entwicklung sowie mit der Rolle der Institutionen im neuen internationalen Wettbewerb befasst.
Eine Kooperation von: DIKG Braunschweig, Generalkonsulat der Italienischen Republik Hannover, Sapienza Università di Roma, Universität Hamburg, Fondazione Museo della Shoah, AlicUbi.
Vortrag von Dr. Paola Barbon für die DIG Münster.In 2026 jährt sich Ecos Todestag zum 10. Mal. Das ist uns Anlass, an ihn zu erinnern.
Conferenza dalla dott.ssa Paola Barbon per la DIG Münster. Nel 2026 ricorre il decimo anniversario della scomparsa di Eco. È per noi l'occasione per ricordarlo.
Mit der Erzählung von der Holzfigur Pinocchio schuf Carlo Lorenzini alias Collodi 1883 Weltliteratur. Der hölzerne, quicklebendige und menschlich empfindende Pinocchio erlebt eine fantastische, aber doch realitätsnahe Reise durch das Italien des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Denn die Erzählung Collodis spiegelt Erfahrungsräume und Verhaltensformen seiner Zeit und überschreitet sie zugleich auf fantasievolle Weise.
Der Holzjunge erlangte nach kurzer Zeit in Italien einen hohen Bekanntheitsgrad. Zahlreiche Auflagen des Buches erschienen in kurzer Zeit. Damit leistete Pinocchio einen Beitrag zur nationalen Selbstfindung des kurz zuvor vereinigten Landes. Das hing auch mit der Sprache der Erzählung zusammen. Jenseits der bis dahin dominierenden regionalen Dialekte etablierte Collodi eine übergreifende italienische Literatursprache, die die Verbreitung des Buches förderte.
Die Geschichte Pinocchios fällt aber auch in eine Zeit, in der über Alternativen zu althergebrachten Erziehungsstilen nachgedacht wurde. Collodis Pinocchio, aber auch andere Publikationen wie Edmondo de Amicis nahezu zeitgleich erschienenes literarisches Tagebuch „Cuore“, thematisierten pädagogische Aspekte.
Der Vortrag deutet Pinocchio vor dem Hintergrund der Literatur- und Kulturgeschichte Italiens, thematisiert dessen Wirkung und beleuchtet biografische Aspekte des Autors Collodi.
Dr. Andreas Urban: bis Mai 2025 Leiter des Bereichs Ausstellungen in den Museen für Kulturgeschichte Hannover und Kurator zahlreicher Ausstellungen u.a. zur Stadt- und Gartengeschichte
„Für den Klassizismus mit seiner Antikenbegeisterung war die Beschäftigung mit Gemmen geradezu unausweichlich. Schon in der Renaissance wurden die geschnittenen Steine als ‚unberührte Zeugen des Altertums‘ bewundert und als Schatzkammerobjekte gesammelt. Daktyliotheken aber, Sammlungen von Gemmenabdrücken, sind eine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Erst in dieser Zeit begann man, die Gemmen in größerem Umfang aus Glas-, Schwefel- und Gipspasten zu reproduzieren und in thematischen Serien zu vertreiben. Auch diese Repliken waren Sammelobjekte, dienten jedoch in erster Linie dem Studium antiker Kunst. Diese Daktyliotheken wurden bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt.“ (Weltkunst, Autor und Jahr unbekannt)
Auf Vermittlung von Guido de Werd erhält der Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. zur Ausstellung im Museum B.C. Koekkoek-Haus eine Schenkung mit solch einer Daktyliothek. Die offizielle Übergabe erfolgt am Sonntag, dem 31. Mai 2026. Der Kulturhistoriker Dr. Asker Pelgrom aus Nijmegen, ehemaliger Leiter der Abteilung für Geschichte am Königlichen Niederländischen Institut in Rom und früher Gastkurator im B.C. Koekkoek-Haus, begleitet und betreut diese Übergabe.
Da der Abend auch zum Betrachten der Originale im B.C. Koekkoek-Haus dienen soll, hat er sich bereit erklärt, für unsere Mitglieder einen eigenen Vortrag zu diesem Anlass im Museum vor Ort anzubieten. Er wird die Bedeutung dieser Daktyliotheken in den größeren Kontext der Italienreisen aus Koekkoeks Zeit einordnen, insbesondere im Hinblick auf europäische und niederländische "Grand Touristen" und deren Souvenirs. Zum Schluss werden auch die Hintergründe dieser Schenkung beleuchtet.
Nordlatium, das ehemalige Südetrurien, liegt zwischen dem Tyrrhenischen Meer, der Toskana und Umbrien. Hier erstrecken sich die sanfte Hügelkette der Colli Cimini mit dem Lago di Vico und die Hügel der Colli Volsini mit dem Bolsena-See, östlich davon verläuft das mittlere Tibertal.
Große Ebenen und sanft geschwungene Hügelgebiete mit kleinen bäuerlichen Anwesen, reizvolle runde Seen vulkanischen Ursprungs, weite dunkelgrüne Wälder und sorgsam bebaute Gärten bestimmen hier das Landschaftsbild. Fruchtbare Äcker, Weinberge und Olivenhaine, Haselnussplantagen und Kastanienwälder bilden die ästhetisch ansprechende Kulisse für geschichtsträchtige Städte und authentische Dörfer sowie prachtvolle Villen und faszinierende Gartenanlagen.
Latium, das Kernland des römisch-antiken Weltimperiums, ist uraltes Etruskerland. Dort befinden sich z. B. die berühmten archäologischen Ausgrabungen von Tuscania und Tarquinia. Während der Besichtigung von Grabkammern mit weltberühmten Wandmalereien umweht uns noch heute der Geist dieses rätselhaften Kulturvolkes.
Die Gegend ist aber auch z. B. in Tuscania reich an mittelalterlichen Kirchen und Klöstern und ebenso an herrschaftlichen Villen und Schlössern. Meist ehemalige Landsitze mächtiger Kardinäle und Adelsfamilien, wurden sie im 16. Jhdt. zur monumentalen Macht- und Prachtentfaltung erbaut. So stellt nicht zuletzt der Besuch der Palast- und Gartenanlagen von Bagnaia und Caprarola aus der Zeit der Renaissance und des rätselhaften manieristischen „Park der Monster“ in Bomarzo ein unvergessliches Erlebnis dar.
Der Bergkristall, die reinste Form des Quarzes, hatte immer eine besondere kulturelle und religiöse Bedeutung. 1906 ist es dem Mineralogen Giorgio Spezia gelungen, einen künstlichen Quarz herzustellen. Sein Verfahren wird noch heute bei der Produktion der für Elektrogeräte unerlässlichen Quarzoszillatoren verwendet. In einem Gespräch zwischen dem Wissenschaftler Emanuele Costa und dem Künstler Thomas Pöhler wird Giorgio Spezia als Forscher, Akademiker, wissenschaftlicher Autor, Bergsteiger und Mitbegründer des CAI (Club Alpino Italiano) vorgestellt. Im Mittelpunkt der Präsentation steht die unermüdliche Forschungsarbeit dieses zu Unrecht wenig bekannten Wissenschaftlers. Sein Quarzherstellungsverfahren wird bis heute in Wissenschaft und Industrie verwendet und bleibt entscheidend für viele technologischen Verfahren.
Der aus Turin stammende Emanuele Costa (*1962) verfügt über ein Ph.D. in Geowissenschaften, lehrt Umweltgeowissenschaften und forscht im Laboratorium für Umweltgeologie an der Universität Turin. Er ist leidenschaftlicher Mineraloge und Wissenschaftshistoriker.
Thomas Pöhler (*1966) hat an den Kunstakademien von Karlsruhe und Düsseldorf studiert. Er ist als Künstler und Autor tätig. Sein Wirken bewegt sich zwischen wissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Arbeit. Er lebt in Krefeld und Calasca-Castigione.
Mit Simultanübersetzung.
Rainer Maria Rilke war nicht nur ein außergewöhnlicher Dichter, sondern auch ein bedeutender Reisender. Als unbehauster Troubadour reiste er jahrzehntelang kreuz und quer durch Europa, von seiner Geburtsstadt Prag nach Deutschland und nach Frankreich, vom hohen Norden bis nach Ägypten.
Eine besonders starke Reise-Beziehung hatte er schon seit seiner Kindheit zu Italien. Er verbrachte immer wieder längere Aufenthalte meist in den klassischen Reisezielen der damals wohlhabenden aristokratischen Elite, z. B. in Venedig, Florenz, Rom, Neapel und auf Capri. Reisen war für ihn Arbeit, immer wieder ließ er sich von den italienischen Landschaften, den Städten und der Kunst zu seinen
bekanntesten Werken inspirieren. Ein wichtiger Ort wurde auch das Schloss Duino an der Adria, wo die ersten Gedichte der berühmten „Duineser Elegien“ entstanden. Oftmals ließ er Hauptsehenswürdigkeiten „links“ liegen, gerne bevorzugte er aber luxuriöse Unterkünfte.
Diese Bilder-Präsentation verfolgt mit Gedichten und Prosatexten Rilkes vielfältige Reiseerlebnisse auf der Appeninhalbinsel.
Vortrag in italienischer Sprache. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) Reutlingen.
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