Daktyliotheken von Giovanni Liberotti aus Rom
„Für den Klassizismus mit seiner Antikenbegeisterung war die Beschäftigung mit Gemmen geradezu unausweichlich. Schon in der Renaissance wurden die geschnittenen Steine als ‚unberührte Zeugen des Altertums‘ bewundert und als Schatzkammerobjekte gesammelt. Daktyliotheken aber, Sammlungen von Gemmenabdrücken, sind eine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Erst in dieser Zeit begann man, die Gemmen in größerem Umfang aus Glas-, Schwefel- und Gipspasten zu reproduzieren und in thematischen Serien zu vertreiben. Auch diese Repliken waren Sammelobjekte, dienten jedoch in erster Linie dem Studium antiker Kunst. Diese Daktyliotheken wurden bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt.“ (Weltkunst, Autor und Jahr unbekannt)
Auf Vermittlung von Guido de Werd erhält der Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. zur Ausstellung im Museum B.C. Koekkoek-Haus eine Schenkung mit solch einer Daktyliothek. Die offizielle Übergabe erfolgt am Sonntag, dem 31. Mai 2026. Der Kulturhistoriker Dr. Asker Pelgrom aus Nijmegen, ehemaliger Leiter der Abteilung für Geschichte am Königlichen Niederländischen Institut in Rom und früher Gastkurator im B.C. Koekkoek-Haus, begleitet und betreut diese Übergabe.
Da der Abend auch zum Betrachten der Originale im B.C. Koekkoek-Haus dienen soll, hat er sich bereit erklärt, für unsere Mitglieder einen eigenen Vortrag zu diesem Anlass im Museum vor Ort anzubieten. Er wird die Bedeutung dieser Daktyliotheken in den größeren Kontext der Italienreisen aus Koekkoeks Zeit einordnen, insbesondere im Hinblick auf europäische und niederländische "Grand Touristen" und deren Souvenirs. Zum Schluss werden auch die Hintergründe dieser Schenkung beleuchtet.
Latium – Landschaften, Geschichte und Kunst im mittelitalienischen Hügelland der Etrusker nördlich von Rom
Nordlatium, das ehemalige Südetrurien, liegt zwischen dem Tyrrhenischen Meer, der Toskana und Umbrien. Hier erstrecken sich die sanfte Hügelkette der Colli Cimini mit dem Lago di Vico und die Hügel der Colli Volsini mit dem Bolsena-See, östlich davon verläuft das mittlere Tibertal.
Große Ebenen und sanft geschwungene Hügelgebiete mit kleinen bäuerlichen Anwesen, reizvolle runde Seen vulkanischen Ursprungs, weite dunkelgrüne Wälder und sorgsam bebaute Gärten bestimmen hier das Landschaftsbild. Fruchtbare Äcker, Weinberge und Olivenhaine, Haselnussplantagen und Kastanienwälder bilden die ästhetisch ansprechende Kulisse für geschichtsträchtige Städte und authentische Dörfer sowie prachtvolle Villen und faszinierende Gartenanlagen.
Latium, das Kernland des römisch-antiken Weltimperiums, ist uraltes Etruskerland. Dort befinden sich z. B. die berühmten archäologischen Ausgrabungen von Tuscania und Tarquinia. Während der Besichtigung von Grabkammern mit weltberühmten Wandmalereien umweht uns noch heute der Geist dieses rätselhaften Kulturvolkes.
Die Gegend ist aber auch z. B. in Tuscania reich an mittelalterlichen Kirchen und Klöstern und ebenso an herrschaftlichen Villen und Schlössern. Meist ehemalige Landsitze mächtiger Kardinäle und Adelsfamilien, wurden sie im 16. Jhdt. zur monumentalen Macht- und Prachtentfaltung erbaut. So stellt nicht zuletzt der Besuch der Palast- und Gartenanlagen von Bagnaia und Caprarola aus der Zeit der Renaissance und des rätselhaften manieristischen „Park der Monster“ in Bomarzo ein unvergessliches Erlebnis dar.
Giorgio Spezia: Ein Naturkundler an der Schwelle zur Zukunft
Der Bergkristall, die reinste Form des Quarzes, hatte immer eine besondere kulturelle und religiöse Bedeutung. 1906 ist es dem Mineralogen Giorgio Spezia gelungen, einen künstlichen Quarz herzustellen. Sein Verfahren wird noch heute bei der Produktion der für Elektrogeräte unerlässlichen Quarzoszillatoren verwendet. In einem Gespräch zwischen dem Wissenschaftler Emanuele Costa und dem Künstler Thomas Pöhler wird Giorgio Spezia als Forscher, Akademiker, wissenschaftlicher Autor, Bergsteiger und Mitbegründer des CAI (Club Alpino Italiano) vorgestellt. Im Mittelpunkt der Präsentation steht die unermüdliche Forschungsarbeit dieses zu Unrecht wenig bekannten Wissenschaftlers. Sein Quarzherstellungsverfahren wird bis heute in Wissenschaft und Industrie verwendet und bleibt entscheidend für viele technologischen Verfahren.
Der aus Turin stammende Emanuele Costa (*1962) verfügt über ein Ph.D. in Geowissenschaften, lehrt Umweltgeowissenschaften und forscht im Laboratorium für Umweltgeologie an der Universität Turin. Er ist leidenschaftlicher Mineraloge und Wissenschaftshistoriker.
Thomas Pöhler (*1966) hat an den Kunstakademien von Karlsruhe und Düsseldorf studiert. Er ist als Künstler und Autor tätig. Sein Wirken bewegt sich zwischen wissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Arbeit. Er lebt in Krefeld und Calasca-Castigione.
Mit Simultanübersetzung.
Rainer Maria Rilke unterwegs in Italien
Rainer Maria Rilke war nicht nur ein außergewöhnlicher Dichter, sondern auch ein bedeutender Reisender. Als unbehauster Troubadour reiste er jahrzehntelang kreuz und quer durch Europa, von seiner Geburtsstadt Prag nach Deutschland und nach Frankreich, vom hohen Norden bis nach Ägypten.
Eine besonders starke Reise-Beziehung hatte er schon seit seiner Kindheit zu Italien. Er verbrachte immer wieder längere Aufenthalte meist in den klassischen Reisezielen der damals wohlhabenden aristokratischen Elite, z. B. in Venedig, Florenz, Rom, Neapel und auf Capri. Reisen war für ihn Arbeit, immer wieder ließ er sich von den italienischen Landschaften, den Städten und der Kunst zu seinen
bekanntesten Werken inspirieren. Ein wichtiger Ort wurde auch das Schloss Duino an der Adria, wo die ersten Gedichte der berühmten „Duineser Elegien“ entstanden. Oftmals ließ er Hauptsehenswürdigkeiten „links“ liegen, gerne bevorzugte er aber luxuriöse Unterkünfte.
Diese Bilder-Präsentation verfolgt mit Gedichten und Prosatexten Rilkes vielfältige Reiseerlebnisse auf der Appeninhalbinsel.
Sardinien - Insel der Steine und Mythen
Vortrag in italienischer Sprache. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) Reutlingen.
Die Avantgarde ist Rausch. Die Abenteuer des Futurismus von Filippo Tommaso Marinetti bis Mario Schifano
Konzipiert als Hommage zum 150. Geburtstag von Marinetti, dem Verfasser des Futuristischen Manifests im Jahre 1909, zeichnet der Vortrag von Stefano Agresti (Kunsthalle Mannheim) die futuristischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts nach. Ausgangspunkt dieser Erzählung sind die ebenfalls im Schauwerk in Sindelfingen gezeigten Gemälde von Mario Schifano aus den 1960er Jahren, die die Vitalität des Futurismus über die Jahrzehnte hinweg offenbaren. Der Vortrag bietet auch die Gelegenheit, futuristische Meisterwerke der deutschen öffentlichen Sammlung kennenzulernen. Der Vortragende ist kuratorischer Assistent in der Kunsthalle in Mannheim, hat in Berlin und Rom, wo er promoviert, studiert.
Die Wörter der hundertjährigen Treccani-Enzyklopädie
2025 ist die italienische Treccani-Enzyklopädie 100 Jahre alt geworden. Anlässlich des Jubiläums wurden von einer Jury 100 Begriffe ausgewählt, die Jahr für Jahr einem bedeutenden Ereignis zugeordnet wurden. Zum Beispiel: „cinema“ (Kino, 1932), „canzone“ (Lied, 1958), „alfabetizzazione“ (Alphabetisierung, 1960), „calcio“ (Fußball, 1982), „berlusconismo“ (1994), „femminicidio“ (Gewalt gegen Frauen, 2023). Man hatte die Absicht zu zeigen, wie die Enzyklopädie mit ihren Einträgen die Veränderungen der Gesellschaft begleitet und registriert hat.
Wir wollen die Begriffe erläutern und aus den Wörtern heraus Einblicke in die Gesellschaft und Kultur Italiens zu den jeweiligen Zeiten gewinnen. Die sprachwissenschaftliche Betrachtung der jeweils besonders prägenden neuen Wortschöpfungen wird so auch zu einer kleinen italienischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts.
Dr. Antonella Lavagno ist Sprachwissenschaftlerin an der Universität Bremen.
Siena – Kunst und Leben in der Stadt der Gotik
Die Stadt Siena ist auf drei Hügeln gebaut – und es gibt keinen Fluss in der Nähe. Ein großes Problem war daher schon früh die Versorgung mit Wasser. Trotz dieser Schwierigkeiten war Siena schon im frühen Mittelalter sehr bedeutend und geriet so zwangsläufig in Konkurrenz zu Florenz. Letztlich hat Florenz diesen Wettkampf gewonnen – so ist Siena die Stadt der Gotik, während Florenz seine Blütezeit in der Renaissance hatte.
Die Bewahrung der gotischen Stilformen ergab in Siena ein einmaliges, homogenes und harmonisches Stadtbild, das in der muschelförmigen Piazza del Campo und dem großartigen Bau des Doms seine schönste Ausprägung zeigt. Auch die Malerei der Stadt findet durch die Fortschreibung gotischer Stilmerkmale zu einer besonderen Innerlichkeit und formalen Qualität.
Dr. Rainer Grimm ist engagierter Kunstvermittler. Er war schon mehrfach Gast der DIG Lübeck und ist unseren Mitgliedern auch als Verfasser der „Künstlerbriefe“ und der regelmäßig erscheinenden „Kunsträtsel“ bekannt.