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07.

Mär
2024

Literatur

2024: Giorgio Bassani: "Die Gärten der Finzi-Contini“

Einladung zum 10. VDIG-Lesemarathon am 7. März 2024

Im Mittelpunkt der 10. Ausgabe des bundesweiten VDIG-Lesemarathons steht am und um den 7. März 2024 Giorgio Bassanis Werk „Die Gärten der Finzi-Contini“. Die VDIG-Mitgliedsgesellschaften und ihre Partner sind wieder herzlich eingeladen, sich an diesem erfolgreichen Veranstaltungsformat zu beteiligen.

Die wissenschaftliche Beratung hat Chiara Santucci übernommen, die zum Thema einführt:

Der Lesemarathon 2024 wird sich mit einem der wichtigsten Werke der italienischen Literatur der Nachkriegszeit auseinandersetzen: mit dem Roman Il giardino dei Finzi-Contini („Die Gärten der Finzi-Contini“) von Giorgio Bassani. In einer Zeit, wie unserer, in der der Antisemitismus wieder aufflammt, hat diese Wahl eine besonders starke symbolische Kraft, stammte Bassani doch aus einer jüdischen Familie, die seit Generationen in Ferrara ansässig war; er erlebte die Rassengesetzte und deren Einschränkungen – und dementsprechend engagierte er sich politisch. Zum politischen Engagement gesellte sich die Tätigkeit in der Ökologie-Bewegung: Bassani war (1955) Mitbegründer von Italia Nostra, dem ältesten italienischen Umweltverband, dessen Präsident er 1965-1980 war.

Geboren wurde Giorgio Bassani am 4. März 1916 in Bologna, verbrachte aber seine Kindheit und Jugend in Ferrara, wo er das humanistische Gymnasium Ludovico Ariosto besuchte und dort das Abitur ablegte. Schon während des Studiums der Literaturwissenschaften an der Universität in Bologna verfasste Bassani einen kleinen Roman, Una città di pianura (1940), der allerdings wegen der schon herrschenden Rassengesetze unter einem Pseudonym (Giacomo Marchi) erscheinen musste. Nach Beendigung des Studiums unterrichtete Bassani an der Scuola Ebraica di Ferrara. Der Beginn der jüdischen Deportation markierte eine Wende in Bassanis Leben, der von da an im Untergrund aktiv gegen den Faschismus kämpfte. 1943 wurde er deswegen inhaftiert und nachdem er seine Haftstrafe abgesessen hatte, schloss sich Bassani der Resistenza an. Als der Krieg zu Ende war, zog Bassani nach Rom, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2000 lebte. Seiner Heimatstadt blieb er aber zeit seines Lebens verbunden und verbrachte jedes Jahr mindestens einen Monat in Ferrara.

Neben der schriftstellerischen Tätigkeit übte Giorgio Bassani verschiedene Berufe aus: er war Journalist (z.B. für die Zeitschriften Botteghe Oscure und Paragone), arbeitete für das Radio [1957 wurde er Vizepräsident der R.A.I. (Radiotelevisione Italiana)], unterrichtete Geschichte des Theaters an der Accademia d´Arte Drammatica in Rom und war Lektor bei zwei wichtigen italienischen Verlagshäusern wie Feltrinelli und Mondadori. Es ist Bassani zu verdanken, Giuseppe Tomasi di Lampedusa entdeckt und dessen Meisterwerk Il Gattopardo herausgegeben zu haben.

Das eigene Meisterwerk Il giardino dei Finzi-Contini wurde 1962 veröffentlicht, sogleich mit dem Premio Viareggio ausgezeichnet und 1970 von Regisseur Vittorio De Sica verfilmt. In den Folgejahren schrieb Bassani weitere Romane: L´airone (1968), L´odore del fieno (1972), Il romanzo di Ferrara (1980) u.a. Im Jahr 1984 erschienen seine letzten Werke: der Gedichtband In rima e senza, und eine Sammlung von Aufsätzen mit dem Titel Di là del cuore.

Der Verlag Klaus Wagenbach schreibt zum Buch*:

Mit seinem berühmtesten Roman, der zarten Geschichte einer großen, unerfüllten Liebe und zugleich Chronik des tragischen Schicksals des jüdischen Bürgertums in Italien, hat sich Giorgio Bassani einen Platz in der Weltliteratur erschrieben.

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Es ist die Geschichte von Micól, dem geheimnisvollen Mädchen mit den blonden Haaren aus vornehmer jüdischer Familie, in die der Ich-Erzähler von Anfang an vergeblich verliebt ist. Die leidenschaftlich gern Tennis spielt, die alten Bäume im ummauerten Park der Eltern liebt und es nicht ertragen kann, wenn jemand sich gewöhnlich benimmt; die später, als Studentin, lieber flirtet als studiert, und die junge Männer, die am liebsten für sie sterben möchten, am Telephon zur Vernunft ermahnt.

Erst als der Tennisclub wegen der Rassengesetze die jüdischen Mitglieder ausschließt, öffnet sich der Garten der Finzi-Contini für die jüdische Jugend Ferraras und wird zu ihrem Treffpunkt – bis zu einem Tag im Herbst 1943, an dem Micól mit ihrer ganzen Familie deportiert wird »und keiner weiß, ob sie ein Grab gefunden haben«.
Giorgio Bassani hat ihnen in diesem Buch ein Denkmal gesetzt.

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Giorgio Bassani, geboren 1916 in Bologna, lebte bis 1943 in Ferrara. Beteiligte sich am Widerstand; nach der Befreiung Italiens arbeitete er als Schriftsteller und Redakteur. Als Lektor entdeckte er für den Verlag Feltrinelli den Roman »Der Leopard«, mit dem Tomasi di Lampedusa berühmt wurde. Bassani erhielt alle großen Literaturpreise Italiens, darunter 1962 den Premio Viareggio für »Die Gärten der Finzi-Contini«. 1969 wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet. Bassani starb 2000 in Rom.

Quelle: Verlag Klaus Wagenbach

 

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*Giorgio Bassani: Die Gärten der Finzi-Contini, A.d.Ital. von Herbert Schlüter, © 1962, 1974, 1976, 1980 Giorgio Bassani, All rights reserved © 2001, 2008, 2009 Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
Foto: 1) Cover (Verlag Klaus Wagenbach), 2) Giorgio Bassani 1974 (Wikimedia commons)
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