Literatur
2026: Grazia Deledda
Die 12. Ausgabe des beliebten VDIG-Lesemarathons unter der Schirmherrschaft der Italienischen Botschaft Berlin begeisterte am und um den 5. März 2026 erneut das Publikum und die Lesenden.
26 Deutsch-Italienische Gesellschaften, Italienische Kulturinstitute und Italienische Konsulate aus Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Detmold, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Freiburg, Hannover, Heidelberg, Hildesheim, Karlsruhe, Kassel, Kleve, Köln, Lübeck, Lüdenscheid, Mannheim, München, Münster, Olginate, Passau, Potsdam, Remscheid und Stuttgart nahmen mit ihren Partnern am Lesemarathon teil. Sie entdeckten die Schriftstellerin Grazia Deledda zum 100. Jubiläum der Verleihung des Literaturnobelpreises (neu) und erhielten einen Einblick in die sardische Lebenswelt.
Hier lassen einige der Mitwirkenden der Einzelveranstaltungen ihre jeweiligen Lesungen Revue passieren:
Der 12. VDIG-Lesemarathon in der Stadtbibliothek Steglitz-Zehlendorf in Berlin war zugleich der 10. Lesemarathon der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Berlin. Alessandro Bonesini, Präsident der VDIG, eröffnete die Veranstaltung. Sehr viele Besucher sind unserer Einladung gefolgt und so hat auch die Bibliothek, wie im letzten Jahr, eine gedeihliche Zusammenarbeit ermöglicht.

Der Abend war der sardischen Nobelpreisträgerin Grazia Deledda und ihrem Roman „Schilfrohr im Wind“ („Canne al vento“) gewidmet, vorgestellt und moderiert in der neuen deutschen Übersetzung (2020) von Janina Vahl.

Der Roman führt in eine sardische Gesellschaft, die von starken familiären Bindungen, sozialer Ordnung und einem tiefen Bewusstsein für Schuld, Ehre und Schicksal geprägt ist. Immer wieder wurde deutlich, wie eng in Deleddas Werk Leben und Tod, Religion, Natur und menschliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Dabei ging es nicht nur um Literatur, sondern auch um die historischen und sozialen Hintergründe Sardiniens zu Beginn des 20. Jahrhunderts: um eine Insel mit eigener kultureller Prägung, jahrhundertealten Traditionen und einer Gesellschaft, in der familiäre Beziehungen und moralische Verpflichtungen das Leben der Menschen bestimmen. Grazia Deledda beschreibt in ihrem Werk das Leben ihrer sardischen Heimat mit großer Klarheit und menschlicher Tiefe. Ihre Themen – Familie, Schuld, Schicksal und gesellschaftliche Bindungen – wirken bis heute erstaunlich aktuell.

Der Lesemarathon verband Lesung, literarische Einführung und kulturellen Hintergrund zu einem intensiven Abend, der zeigte, wie lebendig und gegenwärtig Deleddas Literatur bis heute geblieben ist. Die Texte wurden zum Teil in Italienisch und Sardisch gelesen, vorgetragen von unseren Vereinsmitgliedern und Freunden unserer Gesellschaft. Eine gelungene Power-Point Präsentation hat mit Bildern alles veranschaulicht.
Wir freuen uns über die schöne und erfolgreiche Veranstaltung und danken allen Akteuren, Besuchern und Organisatoren für die Beiträge zu unserem Vorhaben.
„Finalmente una donna!“ – endlich eine Frau: Dass der neunte Lesemarathon, den die Deutsch-Italienische Gesellschaft Bielefeld in der der Stadtbibliothek ausrichtete, ganz im Zeichen von Grazia Deledda stand, fand in Bielefeld großen Anklang. Acht Mal waren bisher Männer die Protagonisten. 2022 hatte die VDIG zwar Elsa Morante in den Fokus gestellt, die Veranstaltung fiel aber in Bielefeld leider der Corona-Pandemie zum Opfer.

Die Präsidentin der DIG, Maddalena Agliati Werner, ließ die gut 120 Besucherinnen und Besucher die beinah in Vergessenheit geratene Schriftstellerin für sich neu entdecken. Lebendig und einfühlsam zeichnete die Literaturwissenschaftlerin das Bild der beeindruckenden Frau, die in einer abgelegenen Region Sardiniens geboren wurde und sich schon in jungen Jahren mutig dem dort herrschenden Rollenbild widersetzte, Lesen und Scheiben gehöre sich für Frauen nicht. Ausgewählte historische Fotos veranschaulichten die damalige Zeit.
Im Mittelpunkt der Lesung stand der hochpoetische Roman „Canne al vento – Schilf im Wind“. Wie es bei der DIG Tradition ist, lasen Persönlichkeiten aus der Bielefelder Stadtgesellschaft von der Moderatorin zusammengestellte Passagen aus dem Roman – auch muttersprachlich, um den wunderbaren Klang der italienischen Sprache zu vermitteln. Die Sängerin Daniela Giuccioli, ihre musikalischen Begleiter Hajo Bernard und Sebastian Mews setzten mit ihrer Interpretation sardischer Volkslieder einen ganz besonderen Akzent.

Das Publikum zeigte sich von dem Abend um das Werk der großen italienischen Schriftstellerin tief berührt. Das Resümee: Grazia Deledda – was für eine großartige Frau und Schriftstellerin.
Zum VDIG-Lesemarathon hat die DIG Dortmund (Auslandsgesellschaft e.V.) mit der Sprachschule im Kreuzviertel eingeladen. Es war eine kleine aber feine Runde, die sich um einen großen Tisch versammelt hatte: Literaturliebhaber, Italienfreunde, darunter sehr viele Italienerinnen und Italiener, haben sich aktiv an der Lesung beteiligt und auch deutschsprachige Teilnehmer haben die Texte auf Italienisch perfekt gelesen.

Man hat das große Interesse an der italienischen Literatur deutlich gespürt. Ob große oder kleine Zuhörerschaft, der VDIG-Lesemarathon ist ein Format, das eine Vielzahl an Umsetzungsmöglichkeiten bietet. Welcher Schriftsteller wird wohl im nächsten Jahr von der VDIG ausgewählt?

Unter den Zuhörern in Dortmund waren der neue VDIG-Präsident, Alessandro Bonesini, der Schriftsteller Giuseppe Giambusso und Irene Gallerani, Präsidentin des Italienvereins Dortmund. Als krönenden Abschluss servierte Lara Baier, die Inhaberin der Sprachschule, Gästen und Lesern ein köstliches Buffet.
Lesemarathon fand mit großer Beteiligung und in einer lebendigen und anregenden Atmosphäre statt. Der Abend wurde mit einem Grußwort des Präsidenten der VDIG, Alessandro Bonesini, eröffnet. Seine Anwesenheit hat uns besonders geehrt: Auf seinem persönlichen „Lesemarathon-Reiseplan“ standen noch elf weitere Stationen bei teilnehmenden Mitgliedsgesellschaften. Man könnte sagen: ein Marathon im Marathon! Vielen Dank!

Den Abend prägten vor allem die engagierten Leserinnen und Leser, die mit großer Leidenschaft zur lebendigen Atmosphäre beitrugen. Einige wagten sich an Texte in ihrer jeweils nicht-muttersprachlichen Sprache, andere bereicherten den Abend mit dem unverwechselbaren Klang ihres regionalen Akzents – wie etwa im Fall Sardiniens, das auf besonders eindrucksvolle Weise hörbar wurde. Als besonders wirkungsvoll erwies sich auch die Entscheidung, hinter den Leserinnen und Lesern die Texte jeweils in der anderen Sprache zu projizieren. Dadurch konnte das Publikum der Handlung jederzeit folgen – unabhängig davon, in welcher Sprache gerade gelesen wurde.

Mit ihrer gewohnten Kompetenz und Sensibilität führte Maike Heber durch Geschichte, Charakter, Emotionen und die überraschende Aktualität des Werks von Grazia Deledda. Mit großer Natürlichkeit und Leichtigkeit wechselte sie zwischen Deutsch und Italienisch und begleitete das Publikum durch den gesamten Leseabend. Mit einer gelungenen persönlichen Digression stellte sie zudem Bezüge zum Internationalen Frauentag her und erweiterte damit die Perspektive der diesjährigen Lesemarathon-Edition, die von Janina Vahl kuratiert wurde.
Der Lesemarathon wurde mit einer Begrüßung durch Ilaria Maccagno (Buchhandlung Jos Fritz) eröffnet, gefolgt von Grußworten des Italienischen Konsuls in Freiburg, Pietro Falcone, und des VDIG-Präsidenten Alessandro Bonesini. Nach einer kurzen Einführung zur Grazia Deledda wurde „Canne al vento“ mit Schauplatz, Figuren und zentralen Themen wie Schicksal, Schuld und Erlösung vorgestellt.

Im Mittelpunkt stand dann die gemeinsame Lesung: neun Vorleser haben Passagen auf Italienisch und Deutsch vorgetragen. Diese Lesungen haben die Schlüsselmomente des Romans hervorgehoben und ein lebendigeres Verständnis der Figuren gefördert. Der Abend wurde mit einem Gespräch mit dem Publikum und einer Reflexion über die Aktualität der Botschaft des Werkes, zwischen menschlicher Zerbrechlichkeit und der Fähigkeit zur Widerstandskraft durch innere Stärke, abgeschlossen.

Die Veranstaltung war eine wichtige Gelegenheit zur kulturellen Vertiefung und gemeinsamen Teilnahme.
Die DIK Hannover ist beim VDIG-Lesemarathon von Anfang an mit dabei. Es ist zu einer kleinen Tradition geworden, dass die Lektüre durch die Einleitung und Kommentare eines/r Fachkundigen bereichert wird. Dieses Jahr wurde Prof. Franziska Meier, Romanistin an der Uni Göttingen, eingeladen. Ihre Vorstellung von Autorin und Werk ist sehr gut angekommen.

Wunderbar vorgetragen haben unsere Stammleser Marina Petronella und Eike Möring, abwechselnd auf Italienisch und auf Deutsch, wobei die jeweils andere Sprache auf Leinwand gezeigt wurde. Wir durften, wie schon öfter in den letzten Jahren, die Veranstaltung im Italienischen Generalkonsulat stattfinden lassen, wo unser Publikum – anwesend waren um die 35-40 Personen – den neuen Generalkonsul Piero Vaira kennengelernt hat.
Unser erster Lesemarathon war ein beachtlicher Erfolg. Die Mühen der Vorbereitung wurden von der Zufriedenheit der Gäste und deren lobende Worte nach der Veranstaltung reichlich kompensiert. An dieser Stelle möchte ich ein dickes Lob aussprechen an unser Mitglied Dr. Alessandra Parodi-Zimmermann, die den literarischen Bereich betreut hat, und auch für all die Mitglieder und Freunde, die mir bei der praktischen Organisation des Abends geholfen haben.

Das Ziel solcher Veranstaltungen ist in erster Linie, die italienische Literatur und italienische Schriftsteller dem deutschen Publikum bekannt oder bekannter zu machen. Auch das ist gelungen. Nicht wenige unter den Anwesenden haben während des Buffets im Anschluss an den Lesungen gesagt, sie wollten jetzt Grazia Deledda lesen.

Wir hatten bei dieser Premiere 40 Zuhörer und wir konnten zwei neue Mitglieder gewinnen – junge Leute –, die zum ersten Mal bei unserer Dante waren.
Dieses Jahr lud die DIG Hildesheim erstmals zum Lesemarathon in AMEI's Buchecke in der Andreaspassage ein. Dort lauschte ein kleines, interessiertes Publikum den sieben Lesenden aus der Gesellschaft und einem Gast. Zum ersten Mal wurden auch zwei Passagen auf Deutsch und auch auf Italienisch gelesen.

Der Abend wurde von Heidemarie Zentgraf vorbereitet und moderiert. Der Vorstand freute sich über den Besuch des Präsidenten der VDIG, Dott. Alessandro Bonesini, der nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Cav. Enzo Iacovozzi ein Grußwort sprach. In der Pause gab es Gelegenheit, miteinander und mit Dott. Bonesini ins Gespräch zu kommen.
Nach einer kurzen Einführung von Alessandro Bellardita, der sehr treffend die wichtigsten Momente der Biographie und des Werkes von Grazia Deledda dargestellt hat, haben Antje Keil und Ernst Walter Siemon, beide sehr geschätzte Rundfunksprecher beim SWR, mit besonderer Intensität Texte aus dem Roman „Der Schilfrohr im Wind” gelesen. Mit seiner Moderation hat Aldo Venturelli die unterschiedlichen Texte miteinander verbunden.

Der gelungene Rhythmus der gesamten Lektüre hat das anwesende Publikum sehr interessiert, so dass die Schriftstellerin selbst mit ihrem Werk fast direkt gesprochen hat; jede zusätzliche Kommentierung hat sich als überflüssig gezeigt. Nach wiederholtem Beifall an die beiden Sprecher*in hat Alessandro Bonesini in seinen Schlussbemerkungen die Ziele des Lesemarathons kurz dargestellt und die Veranstaltung gelobt.

Unser Lesemarathon hatte 76 Zuhörer. Außerdem erhielten wir hohen Besuch, der Präsident der VDIG, Dr. Alessandro Bonesini mit Partnerin und Andreas Mickel, Vizepräsident der VDIG, waren anwesend. Das hat uns natürlich sehr gefreut.

Wir konnten Frau Vahl gewinnen, die Moderation zu übernehmen, sie war eine große Bereicherung. Es war eine wirklich großartige Veranstaltung, die Leser (Mitglieder) waren bestens vorbereitet.

Nach einem kurzen Gespräch über Sardinien, Land und Leute und deren Lebenssituation wurde zum Abschluss noch eine Kurzgeschichte eines weiteren sardischen Schriftstellers gelesen: die Geschichte „Die Schule des Schäfers“ aus Gavino Leddas „Padre Patrone“.
Wir waren erfreut, etwa 40 Zuhörerinnen und Zuhörer begrüßen zu dürfen. In einem Dreierteam haben wir, orientiert an der Auswahl und dem Konzept von Janina Vahl, Deleddas Roman vorgestellt.
Aus der Reaktion und der anschließenden Diskussion zu schließen, ist uns das sehr gut gelungen. Die bis dahin den meisten Teilnehmern völlig unbekannte Autorin und ihre Bedeutung für die Literatur Sardiniens und Italiens wurden nachdrücklich erläutert. Ihr Blick auf die teils noch archaischen Verhältnisse in der dörflichen Welt Sardiniens zu Beginn des 20. Jahrhunderts gaben die Möglichkeit, in diese Welt einzutauchen. Das Fremde, aber auch in Teilen durch eigene Erinnerungen Vertrautes, ergaben eine eigentümliche Mischung in der Nachbetrachtung.
Wir danken Frau Vahl für die gelungene Auswahl der Texte und die überzeugende Konzeption. Die Teilnahme hat wieder Freude bereitet.
Giulia Worf, die als Tochter eines sardischen Vaters selbst in Sardinien aufgewachsen ist, stellte die Autorin und ihren Roman dem interessierten Publikum im Kontext einer anschaulichen landeskundlichen Präsentation der zweitgrößten Insel Italiens und des Mittelmeers vor, die auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann.
Die von ihr auf Italienisch vorgetragenen Passagen des Romans, die Deleddas Kunst, mit wenigen Worten Stimmungen zu erzeugen, eindrucksvoll verdeutlichten, kontrastierte Marion Sattler-Charnitzky mit der Lesung der überarbeiteten Übersetzung von Bruno Goetz in der im Manesse-Verlag erschienenen deutschen Ausgabe.

Buchhändlerin Katharina Gade, die einen Büchertisch passend zum Thema des Abends vorbereitet hatte, verwöhnte das begeisterte Publikum anschließend mit einem Umtrunk und kleinem Imbiss.
Dank sei allen drei Frauen für die Organisation der gelungenen Veranstaltung, die eine in Vergessenheit geratene Autorin mit einem poetischen Meisterwerk der italienischen Moderne wieder zum Leben erweckte.
Sieben Deutsche und Italiener*innen liehen der DIG Münster im Lesemarathon ihre Stimmen. Mit Kunstfertigkeit und Leidenschaft trugen sie Textausschnitte aus Grazia Deleddas vielleicht bekanntestem Roman im Wechsel auf Deutsch und Italienisch vor. Die Moderation übernahmen Beate Zeise und Ute Wenzel, Vorsitzende und Schriftführerin der DIG Münster.

Nicht umsonst hat Grazia Deledda 1926 den Literaturnobelpreis erhalten. Mit „Anschaulichkeit und Klarheit“ hat sie das Leben auf ihrer Heimatinsel Sardinien dargestellt und „allgemein menschliche Probleme mit Tiefe und Wärme [be]handelt“, wie es in der Begründung des Nobelpreiskomittees vor 100 Jahren hieß. Davon konnten sich die Begeisterten der italienischen Literatur in einer gut besuchten Veranstaltung überzeugen.
Eine ganz besondere Ehre war der Besuch der Italienischen Konsulin Alice Joy Cox aus Dortmund. Cox brachte ihre große Freude zum Ausdruck, in diesem Jahr mit allen gemeinsam das Werk der Sardin Grazia Deledda feiern zu können, stamme ihre Familie doch mütterlicherseits ebenfalls aus Sardinien. Der Präsident der VDIG, Dr. Alessandro Bonesini, ließ es sich in diesem Jahr nicht nehmen, sich den Münsteranern vorzustellen. Er hob in seiner Ansprache die Bedeutung der Kultur und im Besonderen der Literatur als Brückenbauer zwischen Deutschen und Italienern hervor.
Bei der DIG Passau las die Autorin Simona Morani aus dem Werk der Grazia Deleddas.

Vorsitzende Maria lacono-Schwarz begrüßte neben den vielen interessierten Mitgliedern den Präsidenten der VDIG, Dr. Alessandro Bonesini. lacono-Schwarz fokussierte sich auf den Titel des Romans, der eine Metapher darstellt: So wie das Schilfrohr vom Wind bewegt und geknickt wird, so werden die Menschen durch die Macht des Schicksals bewegt oder gebrochen. Dr. Alessandro Bonesini betonte in seinem Grußwort, dass er sich über das große Interesse an dem ausgeschriebenen Thema freue. Passend zum Weltfrauentag bekomme Grazia Deledda eine Bedeutung als emanzipierte Frau, die sich ihren eigenen Weg gesucht habe. Sie könne seiner Meinung nach auch Frauen der heutigen Generation durchaus auf Augenhöhe begegnen.

Simona Morani konzentrierte sich auf die Schwerpunkte der Handlung, unterstrich Charaktere und Landschaften und ließ auch die Schönheit der Sprache durchklingen. Morani, selbst Autorin mehrerer Bücher und als solche prämiert, gelang es, mit ihrer einfühlsamen Lesung das Interesse für den Roman und auch für die Schriftstellerin zu wecken, eine Frau, die auch nach heutigen Maßstäben als modern betrachtet werden kann.
Zum zehnten Mal war der Freundeskreis Potsdam-Perugia mit dem VDIG-Lesemarathon zu Gast in der Stadt- und Landesbibliothek in Potsdam. Nach vielen italienischen Autoren stand dieses Jahr wieder einmal eine Frau auf dem Programm: die Literaturnobelpreisträgerin Grazia Deledda.

Carsten Wist, Carlo Mathieu, Mathias Iffert und Karen Schneeweiß-Voigt lasen aus der von Janina Vahl übersetzten Neuausgabe von „Canne al vento“.
Schauplatz von „Schilfrohr im Wind“ ist die Insel Sardinien. Schon die ersten Seiten des Romans, im Original 1913 erschienen, vermitteln das Außerordentliche dieser Gegend. Auf Deleddas Weg als Autorin in jener Zeit lagen gewaltige Hindernisse: das Sardische als Muttersprache, die Sehnsucht nach Eigenständigkeit, das misstrauische Dorf und die engen Grenzen des weiblichen Rollenbildes. All das und ihr ehrlicher, doch liebevoller Blick auf die Menschen in dieser ländlichen Welt wurde zum Nährboden ihrer Literatur, mit der sie diese innere Auseinandersetzung in eine handlungsreiche Erzählung, eine klare, moderne Sprache und universelle Bilder verwandelte.

Ein gut besuchter und rundum gelungener Abend, der mit „No potho reposare“ und weiteren sardischen Liedern, angestimmt von Karen Sokoll am Klavier, einen schönen Ausklang fand.
Der Lesemarathon der Società Dante Alighieri Stuttgart fand im Italienischen Kulturinstitut Stuttgart in den Räumen des Kulturinstituts statt. Es lasen Dr. Marina Detzel (italienisch) und Dieter Fuchs (deutsch). Die Teilnehmenden zeigten sich beeindruckt:
„Dieser Grazia Deledda gewidmete Lesemarathon war sehr bewegend, denn er hat mich dazu gebracht, eine Schriftstellerin wiederzuentdecken, die ich während meiner Schulzeit gelesen hatte. Eine sehr bedeutende Autorin im Bereich der Literatur und Kultur Sardiniens, meiner Heimatregion, die ich so sehr liebe.“

„Die Lebensgeschichte von Grazia Deledda hat mich sehr beeindruckt – eine Frau, die zwar keine Schulbildung genießen konnte, es aber dennoch verstand, ihren Figuren so viel Kultur und menschliche Sensibilität zu verleihen. Ein Vorbild für die jüngeren Generationen, insbesondere für junge Frauen, denen sie als Vorbild und Inspiration dienen soll.“

„Eine Frau, die es verstanden hat, das Leben und die Kultur ihrer Heimat zu vermitteln. Eine Frau, die als Vorbild dienen sollte, um zum Schreiben und vor allem zum Lesen zu ermutigen! Es lebe Sardinien! Es lebe Grazia Deledda!“
„Canne al Vento“: ein Roman, den ich noch nicht kannte. Grazia Deledda: Eine Autorin, von der ich hier in Deutschland noch nie gehört hatte: Vielen Dank an Dante und den VDIG, die diese Veranstaltung organisiert haben!“
Janina Vahl blickt positiv auf den Lesemarathon zurück: „Der Lesemarathon 2026 war für mich eine besondere Erfahrung. Besonders beeindruckt hat mich das große Interesse des Publikums, es gab viele Fragen zu Sardinien, zur Kultur und zur Sprache sowie einen sehr intensiven und lebendigen Austausch. Die Veranstaltungen in Lübeck, Berlin und Kassel, bei denen ich moderiert habe, zeigten, dass das Format vor allem durch die persönliche Gestaltung und den direkten Dialog mit dem Publikum wirklich lebendig wird.“
Grazia Deledda steht im Fokus der mittlerweile 12. Ausgabe des VDIG-Lesemarathons am 5. März 2026. Das 100. Jubiläum der Verleihung des Literaturnobelpreises an die Schriftstellerin ist ein guter Anlass, sich der Autorin und der sardischen Lebenswelt zu näheren und sie (wieder) zu entdecken. Im Mittelpunkt wird „Schilfrohr im Wind - Canne al vento“ stehen.
Die VDIG lädt ihre Mitgliedsgesellschaften herzlich ein, am 5. März 2026 mit ihren Mitgliedern, Freunden und Partnern am VDIG-Lesemarathon teilzunehmen.
Als wissenschaftliche Beraterin konnten wir die Übersetzerin, Lektorin und Texterin Janina Vahl gewinnen. Janina Vahl hat Italienisch und Literaturwissenschaft studiert. Heute arbeitet sie als Übersetzerin mit Schwerpunkt auf sardischer Literatur. Mit ihrer Neuübertragung von Grazia Deleddas „Canne al vento“ ins Deutsche hat sie die Nobelpreisträgerin einem neuen Publikum erschlossen. Neben literarischen Projekten übersetzt sie Kultur- und Sachtexte und verbindet Genauigkeit mit sprachlicher Sensibilität.
Die zentrale Auftaktveranstaltung wird mit der Deutsch-Italienische Gesellschaft (DIG) in Berlin stattfinden.

Hier stimmt Janina Vahl auf den Lesemarathon 2026 ein:
Grazia Deledda: Warum?
Weil sich im Jahr 2026 das hundertste Jubiläum ihres Literaturnobelpreises jährt, den sie 1926 erhielt, bis heute als einzige italienische Frau. Doch, trotz ihrer ungebrochenen, brennenden Aktualität fristen ihr Leben und ihre Werke auch nach einem Jahrhundert ein Schattendasein. Es ist die Geschichte einer Frau, die schon damals dem realen Dorf eine Stimme verlieh: seinen Riten und Wunden, den Leidenschaften, die entzweien, und der Schönheit, die verweilt. Sie schrieb, durch Leid getragen, tastete sich Seite für Seite vor, auf der Suche nach einem weiteren Fragment ihrer selbst. So wie viele junge Menschen heute, die die Dörfer verlassen, um nach Berlin aufzubrechen. Müde des vertrauten Alltags, in dem die Großeltern vor Jesus knieten, zwischen Weihrauch und Beichten, während sie selbst sich vor Buddha verneigen, das OM murmeln und ihr Innerstes dem Psychologen anvertrauen. Dieses innere Chaos der Seele, das heute so allgegenwärtig ist, hatte Deledda längst durchlebt. Sie hat es am eigenen Leib erfahren und es in Geschichten verwandelt, die bis heute nachhallen. In ihrem Werk wird das reale Dorf Sardiniens zu einer universellen Metapher. Grenze und Herkunft zugleich, Verrat und Rettung, Enge und Quelle von Sinn. Und genau in dieser Spannung liegt ihre Größe, ihre Modernität, ihre Stimme, die nicht verstummt.
Darum Grazia Deledda.
26 Deutsch-Italienische Gesellschaften, Italienische Kulturinstitute und Italienische Konsulate aus Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Detmold, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Freiburg/Br., Hannover, Heidelberg, Hildesheim, Karlsruhe, Kassel, Kleve, Köln, Lübeck, Lüdenscheid, Mannheim, München, Münster, Olginate (I), Passau, Potsdam, Remscheid und Stuttgart nehmen mit ihren Partnern am Lesemarathon teil.
Unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Italienischen Republik.

Im Rahmen von oli - omaggio alla lingua italiana - Wir lieben Italienisch.

Lektüreempfehlungen:
Blicke der Liebe und des Neids | S. Marix Verlag
Marianna Sirca | S. Marix Verlag
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