ab

12.

Sep
2014

12.-15.09.2014

XIII. Deutsch-Italienische Kulturbörse in Trapani

Zur 13. Kulturbörse hatte in diesem Jahr die Präsidentin der ICIT Trapani, Marion Weerning, nach Sizilien eingeladen. Das Motto, „Sicilia e Germania, fatevi stupire“ hatte fast 100 Italienfreunde und Mitglieder der DIGs aus Deutschland und den ICIT/ACIT aus Italien nach Trapani gelockt, das sich bei strahlend blauem Himmel und sommerlich warmen Temperaturen von seiner besten Seite zeigte und die Gäste in den Gassen der Altstadt herzlich empfing.

Ausstellung Giampiero Migliorini

Die Einschreibung fand in San Rocco, einer entweihten Kirche statt, die gerade erst zu einem Museum umgebaut worden war. Hier wurde auch die acht Holzstatuen umfassende Ausstellung „Vivit non vivit“ des Bildhauers Giampiero Migliorini, gezeigt. Der Künstler, der auch an der Börse teilnahm, setzte sich mit der Figur von Federico II (1194-1250) auseinander. „Stupor Mundi“, „Stupore del mondo“, charismatischer Herrscher und exzentrischer Mäzen, stellte Federico II im dunklen Mittelalter eine faszinierende europäische Persönlichkeit dar. In angrenzenden Räumen wurden parallel die Arbeiten der Ausschreibung der VDIG, „Variazioni sul logo“ und eine Fotoausstellung der ersten Kulturbörse in Savona, 1989 gezeigt.

Saline di Nubia - Mühle im Abendrot

Mit ausführlichem Programm und zahlreichen Eintrittskarten versehen, wurden die Teilnehmer am späten Nachmittag in die Salinen gefahren. Die Voraussetzungen waren günstig für eine Kulturbörse voller Überraschungen, deren Auftakt in den Salinen von Nubia um 18 Uhr begann. Die Besichtigung des Salzmuseums und ausgiebige Möglichkeiten, das phantastische Ambiente um die Mühle, die Salinen und Salzberge im Abendlicht zu fotografieren, das hatte schon, da waren sich alle Teilnehmer einig, die zum Teil über 2000 km weite Anreise gelohnt.

Saline di Nubia - Tanzveranstaltung

Als dann die Sonne langsam unterging, bot die „Compagnia motoarmonicodanza“ nach der Choreographie von Betty und Patrizia Lo Sciuto zeitgenössischen Tanz zur Musik von Mahler, Yves und Beethoven. Unbeschreiblich die Bewegungen der Tänzer vor dem Sonnenuntergang, der die Zuschauer aus den Gesellschaften und die zahlreichen Ehrengäste, unter Ihnen Dr. Martina Nibbeling-Wrießnig (Stellvertreterin des deutschen Botschafters in Rom), Dr. Gabriele Kreuter-Lenz (Direktorin des Goethe-Institutes Italia), Dott. Vito Damiano (Bürgermeister von Trapani), Ursula Swoboda und Rita Marcon (die Präsidentinnen der italienischen und deutschen Dachverbände) in stürmischen Beifall ausbrechen lies.

Teilnehmer

Es folgte ein Abendessen mit zahlreichen Gängen unter den riesigen Sonnenschirmen der „Trattoria del sale“, bei dem man sich unterhielt, austauschte, alte Bekannte begrüßte, neue Teilnehmer kennenlernte oder einfach nur die atemberaubende Kulisse genoss.

Am nächsten Morgen versammelten sich die Teilnehmer der Kulturbörse in den Galaräumen der Präfektur, um die Börse offiziell zu eröffnen. Der Begrüßung durch die Präsidentin Marion Weerning folgten Grußworte des Präfekten, des Bürgermeisters, der Vertreterin des Botschafters aus Rom und der Leiterin des Goethe Institutes Italia, die alle die Wichtigkeit und Bedeutung des Austausches herausstellten und den Kulturaustausch als wichtiges Bindeglied zwischen den Völkern im europäischen Kontext unterstrichen.

Muha Saric, Renzo Brizzi, Rita Marcon

Auf das mit viel Beifall bedachte hochkarätige Klavierkonzert des Pianisten Costantino Catena, der ein Programm von Beethoven, Wagner und Liszt spielte, folgte die Verleihung des „Premio Culturale“, der in diesem Jahr dem Journalisten und ehemaligen Redakteur von WDR Funkhaus Europa/Radio Colonia, Renzo Brizzi, verliehen wurde. In ihrer Laudatio formulierte Rita Marcon die vielfältigen Verdienste des Preisträgers für die deutsch-italienische Zusammenarbeit und schloss mit den Worten: „Deine berufliche Tätigkeit hast du, lieber Renzo, immer wieder als Ausgangspunkt für ein ehrenamtliches Engagement genutzt, und mit deinem Know-how dazu beigetragen, zu informieren, Verständnis zu fördern und Barrieren einzureißen. Dafür darf ich dir heute im Namen des Vorstandes der VDIG und seiner Mitgliedsgesellschaften diesen Preis überreichen“.

Premio culturale von Muha Saric

Renzo Brizzi zeigte sich bewegt angesichts der Auszeichnung und bedankte sich: „... Und das ist meine persönliche Meinung: Kultur wird zelebriert, Kultur wird verbreitet und Kultur wird über Begegnungen und Auseinandersetzungen, über Empathien oder auch Antipathien erneuert. Das menschliche Ausmaß der Beziehungen gewährleistet das Überleben der Kultur, an die wir glauben. Und dieses menschliche Ausmaß Ihrer/Eurer einzelnen Gesellschaften, der Einsatz des Einzelnen sind, liebe Freundinnen und Freunde, Ihre/Eure Stärke. Das ist der Grund, weswegen Ihre/Eure Anerkennung mir enorme Freude bereitet. (...)“

Der Preis wurde in diesem Jahr von Muha Saric gestaltet, der auch den Wettbewerb der VDIG – „Variazioni sul logo“ - im Mai in Weimar gewonnen hatte. Der Künstler war bei der Preisverleihung anwesend.

Stand Ravenna und Livorno

Leider gab es keine Möglichkeit, den Preis genauer zu betrachten. Ein angesichts der Länge der Veranstaltung und der Temperatur im Festsaal dringend herbeigesehntes „piccolo rinfresco“ wurde nicht angeboten. Schade, denn das hätte auch dem Publikum Gelegenheit geboten, das Kunstwerk aus der Nähe zu betrachten und sowohl den Preisträger als auch den Künstler anzusprechen und zu beglückwünschen.

Bereits um 13 Uhr ging das Programm weiter mit einem Vortrag zur Geschichte der Stadt Trapani - eloquent und unterhaltsam dargeboten von der Reiseführerin Regina Hundemer.

Vertreterinnen der Deutschen Botschaft am Stand der DIG Karlsruhe

Anschließend wurden die Stände auf dem Fischmarkt aufgebaut. Erstmalig fand das Kernstück einer jeden Börse im Freien, mitten in der Altstadt, auf einem zentralen Platz statt. Das bot den Gesellschaften und teilnehmenden Institutionen nicht nur die Gelegenheit, untereinander ins Gespräch zu kommen, sondern sich auch den Besuchern aus dem Kreis der Bevölkerung zu öffnen, die u.a. auch durch die Maler der Gruppe „Le stanze di Elicona“ angezogen wurden und sich neugierig und interessiert zeigten.

Andrang vor den Ständen

Eigentlich hätte man den „Kulturmarkt“ gerne noch länger ausgedehnt, denn die Straßen der Stadt belebten sich gegen Abend zunehmend. Doch da ging es schon weiter mit dem nächsten Programmpunkt, der Premiere der eigens für die Kulturbörse inszenierten Aufführung des „Orlando“ nach der Musik von Händel und Texten von Ariost. In der entweihten Rundkirche Chiesa di Sant’Alberto wurde die Oper von jungen Stimmen, zwei Sopranistinnen und zwei Countertenören und dem Schauspieler Gaspare Balsamo, unter der Regie von Maria Paola Viano und der musikalischen Leitung von Francesco Sergio Fundarò zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Orlando

Diese Aufführung zeigte einmal mehr die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Kulturinstitutionen der Stadt Trapani, die gemeinsam diese Produktion nach einer Idee von Marion Weerning und Maria Paola Viano realisiert haben. Hier wird das von Frau Weerning in dem Programm der Kulturbörse formulierte Anliegen deutlich: „Ziel der Veranstaltung ist nicht nur das Fördern des direkten Kontakts zwischen den Kulturgesellschaften diesseits und jenseits der Alpen, sondern [...] der Austausch auch mit lokalen Kulturvereinen und Künstlern, in der Hoffnung, dass Lust und Ideen aufkommen, um gemeinsame bilaterale oder EU-Projekte in Angriff zu nehmen.“ In diesem Sinne hoffen wir auf eine Aufführung des Orlando in Deutschland! Es war warm im Kirchenraum und die spannende Atmosphäre trug dazu bei, dass die ausgeliehenen Fächer unentwegt wedelten ... das wird man so an einem anderen Ort nicht wiederholen können ... das war eben das sizilianische Klima und die südländische Lebensart!

Danach verteilte man sich auf die vielen Restaurants der Innenstadt, um die Nacht in kleinen Gruppen im Freien zu genießen.

Qi Gong

Doch früh ging es am nächsten Morgen weiter. An der Stadtmauer zum Meer hin wartete bereits Betty Lo Sciuto, die Choreografin des ersten Abends, um eine kleine Gruppe von Frühaufstehern mental und physisch für den Tag zu stärken. Mit der Atem- und Bewegungstechnik des Qi Gong ist ihr das innerhalb einer Stunde gelungen, vielen Dank Betty!

Die Zeit war eng bemessen, um rechtzeitig zur von Mons. Palmieri (Padre Liborio) im lateinischem Ritus zelebrierten Messe in die Kirche Santa Maria del Gesù zu gelangen ... für uns recht ungewohnt ... wurde nur die Lesung auf Italienisch von Giulia Musso und Deutsch von Rita Marcon verlesen. Dem Einen oder Anderen hätte es sicherlich sehr gefallen, ein gemeinsames Lied anzustimmen! In seiner Predigt wies Padre Liborio auf das Kreuz neben dem Altar hin. Es ist am Karfreitag Ziel einer großen Pilgerschar, da die Holzfigur Jesu Christi zerlegbar ist und dann feierlich vom Kreuz abgenommen wird.

Zeit für einen Espresso hatte die Organisatorin eingeplant, aber dann ging es auch gleich in der Villa Margherita, dem Stadtgarten, im Schatten der riesigen Gummibäume weiter mit dem Geschichtenerzähler Alberto Nicolino zum Thema: „Essen - erzählt“/„Il cibo si racconta“, der das Publikum begeisterte. Bei einem Glas Wein und kulinarischen Köstlichkeiten (Kooperative Valdibella) konnte man anschließend überlegen, wer diese Veranstaltung wann nach Deutschland einladen möchte.

Cooking show

Am Abend traf man sich wieder am selben Ort zur Cooking-Show! Trotz des englischen Titels eine sehr italienische Angelegenheit, bei der auf der Bühne von einigen Teilnehmern der Kulturbörse der typische trapanesische Couscous zubereitet wurde. Doch vorher sollte noch ein lang gehütetes Geheimnis gelüftet werden: Nachdem Rita Marcon sich im Namen aller Teilnehmer bei der Gastgeberin bedankt und ihr zur Erinnerung an die Kulturbörse ein Gemälde der Bochumer Künstlerin Jutta Aufderlandwehr mit dem Logo der VDIG überreicht hatte, bat sie Dörthe Klahn-Noll auf die Bühne und damit war klar, die Kulturbörse 2016 wird in der Hansestadt Lübeck stattfinden! Diese Nachricht fand bei allen Anwesenden große Zustimmung und die ersten Teilnahmebekundungen wurden sogleich, auch von den Italienern ausgesprochen!

Abschlusskonzert

Gestärkt machte man sich auf nach San Pietro, wo die Kulturbörse in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche mit einem grandiosen Konzert auf der berühmten Orgel von Francesco La Grassa ihren feierlichen Abschluss fand. Unter Mitwirkung von sechs Organisten aus Italien und Deutschland, weiteren Musikern und einer Sopranistin aus Trapani wurde ein Programm mit Werken von Mahler, Mozart, Schubert, Verdi und Bach geboten.

Wasser vor den Ägadischen Inseln

Am Montag lud der Ausflug per Schiff zu den Ägadischen Inseln die Teilnehmern zu einem außergewöhnlichen Naturerlebnis ein und zu einer letzten Gelegenheit, Pläne zu schmieden und sich entspannt zu unterhalten. Die Rundfahrt gipfelte in einem Bad in dem glasklaren türkisfarbenen Wasser vor der Insel Favignana, das allen „Mitschwimmern“ in unvergesslicher Erinnerung bleiben wird.

Mille grazie, liebe Marion Weerning, für die erlebnisreichen Tage in Trapani!

Lübeck Holstentor

Nach der Börse ist vor der Börse ... wir laden schon jetzt alle ein, sich in Lübeck 2016 wieder zu treffen.

Rita Marcon-Grothausmann

Premio Culturale 2014 für Renzo Brizzi

Fotos: 1) Altstadt Trapani, 2) Ausstellung „Vivit non vivit“ von Giampiero Migliorini, 3) Saline di Nubia - Mühle im Abendrot, 4) Saline di Nubia -Tanz vor der untergehenden Sonne, 5) Teilnehmer, 6) "Premio Culturale": Muha Saric, Renzo Brizzi, Rita Marcon, 7) "Premio Culturale" von Muha Saric, 8) Stand ACIT Ravenna und ICIT Livorno, 9) Vertreterinnen der Deutschen Botschaft am Stand der DIG Karlsruhe, 10) Andrang vor den Ständen, 11) Orlando, 12) Qi Gong, 13) Cooking show, 14) Abschlusskonzert, 15) Wasser vor den Ägadischen Inseln, 16) Lübeck Holstentor | alle Fotos Marcon, Foto 7 Frank Hellwig, Foto 10 Sabina Gianquinto, Foto 16 Jorges - Wikimedia Commons

Die Kulturbörse

findet / fand statt in:

2005

IX. Messina

2003

VIII. Magdeburg

2001

VII. Venedig

1999

VI. Lüdenscheid/Hagen

1997

V. Verona

1995

IV. Weimar

1993

III. La Spezia

1991

II. Münster

1989

I. Savona
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Gestaltung und Umsetzung:
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